"Ich möchte auch etwas ausprobieren"

Arbeiten gern mit Jugendlichen: Anna Clausnitzer (links) und Ramona Baum (Sechste vorn von links). (Foto: O. Krebs)

Anna Clausnitzer übernimmt Diakonenstelle von Ramona Baum

Krähenwinkel/Kaltenweide. Die Pastorenstelle war vakant, mit der Vorgängerin nur eine kurze Übergabe möglich. Für Diakonin Ramona Baum (27) war es vor rund eineinhalb Jahren an der Matthias-Claudius-Kirche ein Sprung ins kalte Wasser. Und sie hat ihre Aufgabe hervorragend gemeistert, eine Menge auf die Beine gestellt. Nicht zuletzt die beiden Angebote "'Meet n‘ Eat "sowie "Bring and Share" . Bring and Share ist übrigens nicht nur für Jugendliche. Das war ein Versuch, Leuten aus der Gegend eine Plattform zu bieten, neue Menschen kennen zu lernen, die aus der Nähe kommen. Das Ganze auch ohne jeglichen offensichtlich kirchlichen Einfluss. Es sollte sich wirklich jede oder jeder willkommen fühlen. Die Idee ist übrigens durch einen Post von einer jungen Frau auf Facebook entstanden, die zwar schon eine Weile in Kaltenweide wohnt, aber noch kaum soziale Kontakte knüpfen konnte. Ich fand, dass Gemeinde doch auch für so etwas da sein kann oder ein Ort dafür sein sollte, die die Jugendlichen der Gemeinde ansprechen und zusammenbringen soll. Ideen, die offensichtlich aufgegangen sind, der Zuspruch ist groß. Nach einem halben Jahr war das Team dann wieder komplett, Pastorin Ulrike Thiele hatte im Norden Langenhagens ihre Stelle angetreten. Jetzt geht die berufliche Reise für Ramona Baum, die aus dem nordrhein-westfälischen Siegburg stammt, weiter. Die junge Frau hat bei der Stadt Langenhagen begonnen und wird den Jugendtreff in Wiesenau leiten. Dort ist dann offene Jugendarbeit angesagt: reden, mit den Kindern und Jugendlichen spielen oder in der Schule helfen. Es geht darum: Kindern und Jugendlichen einen geschützten Rahmen bieten um sich auszuprobieren oder auch einfach nur zu „sein“, ihnen eine Stimme geben, gemeinsam mit ihnen den Jugendtreff zu gestalten. Wir bieten Verschiedenes an, sie müssen aber nichts mitmachen. Es gibt keine Verpflichtungen – anders als in Schule. Wir können individuell auf Jugendliche eingehen, gemeinsam Stärken entdecken und fördern, Probleme besprechen und unterstützen. Im Treff können sie soziale Kontakte knüpfen. Sicher sind wir aber auch dafür da, dass sie sich an uns arbeiten können. Natürlich gibt es also auch Konfliktsituationen, die wir erkennen und mit ihnen gemeinsam bewältigen müssen. Letztlich sind wir für sie da, begleiten sie auf ihrem Weg, begegnen ihnen möglichst auf Augenhöhe. Wir wollen Kinder und Jugendliche befähigen aktiv zu werden und Gesellschaft mitzugestalten. Dazu kommen natürlich für mich als Leitung weitere Aufgaben wie alles organisatorische rund um den Jugendtreff, verschiedenste Sitzungen und Arbeitskreise, Konzeptionen und die Anleitung meiner MitarbeiterInnen. Das ist für mich eine neue Aufgabe. Abgesehen davon, ist vieles natürlich ähnlich wie in der Kirche auch. Die Werte, die ich vermitteln möchte und auch der Blick, wie ich die Jugendlichen sehe, verändern sich nicht damit, dass ich jetzt nicht mehr als Diakonin tätig bin, sondern als Sozialarbeiterin. Mein Einsegnungsbibelvers, der mich seid einem Jahr begleitet, ist mir auch im Treff noch wichtig. „Wacht, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark. Alle eure Dinge lasst in Liebe geschehen.“ Den Jugendlichen in Liebe und mit Wertschätzung zu begegnen – das ist für mich das A und O.
Und der Jugendtreff am Fuhrenkamp soll auch einen neuen Innen-Anstrich bekommen, einladender wirken. "Die Jugendlichen sollen eine Wertschätzung erfahren", sagt Ramona Baum, die bislang auf zwei Mitarbeiter und einen Praktikanten zurückgreifen kann, aber gern noch zwei weitere Kräfte zur Verfügung hätte, um die Projekte und Ideen für die Beziehungsarbeit umsetzen zu können.
Ramona Baum freut sich sehr auf ihre neue Aufgabe, blickt aber auch mit zwei weinenden Augen auf die vergangenen 18 Monate zurück. "Gerade die Diskussion mit den Konfis werden ich vermissen, sie sind alle als Persönlichkeiten gereift", sagt die Diakonin. Diesen Austausch wird jetzt ihre Nachfolgerin im Amt übernehmen. Anna Clausnitzer (25) möchte den Kindern und Jugendlichen natürlich auch christliche Werte vermitteln und weitergeben, am guten Konzept aber nicht viel ändern. Schon früh ist Anna Clausnitzer, die aus der Nähe von Dresden stammt und in Hannover Soziale Arbeit und Religionspädagogik studiert hat, mit Kirche sowie Kinder- und Jugendarbeit dem musikalisch-kirchlich-kreativen Ten Sing in Berührung gekommen. Ihr Vater ist auch Diakon, durfte seinen Beruf in der ehemaligen DDR aber nicht ausüben und war damals als Tischler tätig, "Ich möchte hier auch etwas ausprobieren", sagt Anna Clausnitzer, die im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin aber keinen Neustart wagen muss, sondern sich auf gefestigte Strukturen freuen kann.
Im Gottesdienst am Sonntag, 10. November, um 10 Uhr in der Matthias-Claudius-Kirchengemeinde wird Diakonin Ramona Baum verschiedet.
„Wir bedauern sehr, dass Diakonin Ramona Baum nicht mehr in unserer Kirchengemeinde arbeitet und wünschen ihr Gottes Segen für die Zukunft“, sagte Kirchenvorstandsvorsitzende Gaby Pinkenburg.
Frau Ramona Baum arbeitet jetzt für die Stadt Langenhagen.
Die Diakonenstelle ist zum 1. November 2019 wiederbesetzt. Diakonin Anna Clausnitzer freut sich auf ihre erste Stelle und die Arbeit in der Matthias-Claudius-Kirchengemeinde. In dem Gottesdienst wird sie begrüßt und der Kirchengemeinde vorgestellt.
Im Mittelpunkt der Predigt steht eine „kleine Schraube“ und gesungen wird aus dem Kirchentagsliederbuch Lebensweisen.
Alle sind herzlich zu diesem Gottesdienst eingeladen.