Im Spannungsfeld gegensätzlicher Interessen

Stellten sich der Diskussion (von links): Flughafengeschäftsführer Raoul Hille, Bernd Schmidt, Niedersächsisches Wirtschaftsministerium, und Patrick Döring, Generalsekretär der FDP.Foto: D. Lange (Foto: Dirk Lange)
 
Vor der Sitzung schauten sich die Mitglieder bei TNT-Express um.

PRO Airport: Fluglärmproblematik dauert weiter an

Langenhagen (dl). Der Flughafen Hannover-Langenhagen ist unbestritten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region und mit mehr als 8.700 Beschäftigten nach VW der zweitgrößte Arbeitgeber in Niedersachsen. Das wird selbst von denjenigen nicht ernsthaft in Frage gestellt, die sich durch den unvermeidlichen Fluglärm mehr oder weniger stark gestört fühlen. Vielmehr entzünden sich die Kontroversen nahezu ausschließlich an der fortdauernden Fluglärmproblematik im Nachtflugverkehr. In der Wahrnehmung der größten Lärmquellen rangiert der Fluglärm an dritter Stelle, hinter dem Straßenverkehr und dem Lärm in der Nachbarschaft. Insofern befindet sich der Airport nach wie vor in einem Spannungsfeld gegensätzlicher Interessenslagen. Der berechtigten Forderung der Anwohner nach einer ungestörten Nachtruhe auf der einen Seite und den wirtschaftlichen Interessen des Airports und damit denen der Region und dem Land Niedersachsen auf der anderen Seite. Diesen Zielkonflikt aufzulösen ist indessen nicht unbedingt das Hauptanliegen des der FDP nahestehenden Bürgerforums „PRO Airport“. Auf dessen Mitgliederversammlung sprach der Flughafengeschäftsführer Raoul Hille in seinem Grußwort von einem generellen Imageproblem des Luftverkehrs. Dabei gebe es keine Metropolregion in Deutschland ohne einen Flughafen, der Arbeitsplätze schaffe und durch Steuereinnahmen zum wirtschaftlichen Wachstum in diesen Regionen beitrage. „Wir müssen die Vorteile des Verkehrsträgers Luftfahrt noch deutlicher machen, erst recht im Vergleich zum Autoverkehr“, sagte Hille. Der Leiter des Verkehrsbereichs im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium, Bernd Schmidt, betonte in seinem Referat den Standpunkt der Landesregierung zum Thema Nachtfluggenehmigung am Flughafen Langenhagen. Diese Regelung wurde 2009 vom damaligen niedersächsischen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) für die Dauer von zehn Jahren bis 2019 festgelegt. Schmidt stellte fest, dass die derzeit bestehende Nachtfluggenehmigung nur langfristig sinnvoll sei. Nur so bleibe der Airport im nationalen und internationalen Vergleich wettbewerbsfähig und die Airlines erhielten damit die für sie notwendige Planungssicherheit. Der Luftverkehr sei nun mal ein wichtiger Bestandteil unserer mobilen Gesellschaft, so Schmidt. Am Airport Langenhagen berücksichtige die Nachtfluggenehmigung das Ruhebedürfnis der Anwohner insofern, als das in der Zeit zwischen 22 und 5.59 Uhr nur Flugzeuge starten und landen, die bestimmte, vom maximalen Startgewicht abhängige Lärmwerte unterschreiten. Dazu könne sich Jeder mit einem Flug-Visualisierungssystem auf der Internet-Seite des Flughafens selbst ein Bild machen über die Flugbewegungen mit Angaben zu Flugzeugtyp, Fluggesellschaft und Flughöhe. Die Lärmpegel der einzelnen Flugbewegungen ließen sich ebenfalls zurückverfolgen und darstellen. Dies trage zur Transparenz im Falle von Beschwerden bei und sei ein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion. Interessant ist dabei in diesem Zusammenhang, dass im Rahmen der Mitgliederversammlung von Pro Airport die wenigen kritischen Stimmen zum Thema Fluglärm zwar gehört und zur Kenntnis genommen, wenn auch seitens einiger Mitglieder mit Murren und Kopfschütteln, eine Diskussion kam aber erst einmal nicht zustande. Fakten fehlten noch, Flughafen-Geschäftsführer Raoul Hille will das fehlende Material – vor allen Dingen, was Nachtflüge angeht – nachliefern, die Antworten seien nur aufgeschoben.