„Immer für einen Scherz zu haben“

Eine Herz und eine Seele: Jubilarin Gerda Ocker (rechts) und ihre frühere Schülerin Irene Kempa-Meier. (Foto: O. Krebs)

Krähenwinklerin Gerda Ocker hatte jetzt ihre 100. Geburtstagsfeier

Krähenwinkel (ok). Wer sie sieht, mag es kaum glauben, aber es ist eine Tatsache: Die Krähenwinklerin Gerda Ocker ist am 26. Mai 100 Jahre alt geworden, ist damit eine von zehn Langenhagenerinnen und Langenhagener die diese dreistellige Zahl erreicht haben. Und sie ist wirklich noch fit wie der sprichwörtliche Turnschuh. Bis vor zehn Jahren ist die pensionierte Lehrerin noch Auto gefahren, heute kocht sie selbst und kauft mit ihrem Elektromobil ein. Seit 99 Jahren wohnt sie nun schon in ihrem Elternhaus in Krähenwinkel, ist mit einem Jahr aus Hannover nach Langenhagen gekommen. Regelmäßiger Gast in ihrem Haus ist ihre frühere Schülerin Irene Kempa-Meier, die sich gern an die Zeit in der Grundschule Brink zurückerinnert: „Frau Ocker war eine ganz liebevolle Lehrerin, die ihre Schüler nie anschreien musste.“ Und trotzdem hatten alle Respekt vor ihr. Gerda Ocker hat das Herz auf dem rechten Fleck und ist immer für einen Scherz zu haben. So haben sich die Schülerinnen und Schüler nach einem Skiausflug in den Harz mit Mullbinden eingewickelt und Pflastern beklebt sowie Krücken bewaffnet, um Verletzungen und Brüche zu simulieren. Der Rektor sei fast hinten übergefallen, bevor die Kinder den Schwindel aufgedeckt haben, und alle herzhaft lachten. Und Gerda Ocker ist sehr musikalisch und kreativ, hat zwei Gedichtbände verfasst und eigene Theaterstücke geschrieben. In dem Stück „Ägyptische Finsternis“ hat die Seniorin den Schildbürgerstreich auf die Bühne gebracht. In Salzburg hat sie das Orffsche Instrumentarium studiert. Vor fünf Jahren ist ein eigenes Konzert mit ihren Stücken in der Matthias-Claudius-Kirche gelaufen. Sopranistin Corinna Staschewski hat gesungen, Holger Kiesé die Klavierbegleitung übernommen. „Vor einigen Jahren hat sie noch den Umgang mit dem Computer gelernt“, sagt Irene Kempa-Meier voller Anerkennung. Heute machten die Augen allerdings nicht mehr so mit. Gerda Ocker bleibt geistig fit, spielt jede Woche mit zwei nur halb so alten Mitstreitern Skat, darüber hinaus natürlich Klavier und Schach.
Ihren 100. Geburtstag hat sie jedenfalls ganz groß mit 64 Gästen im Dorfgemeinschaftshaus gefeiert und dabei eine 20-minütige Rede aus dem Kopf gehalten. Fehlen durfte natürlich auch nicht Irene Kempa-Meier bei „Frau Ockers“ Geburtstagsfeier, . Sie siezt sie nach wie vor, auch wenn Gerda Ocker ihrer „Reni“ das Du angeboten hat. „Das gebührt einfach der Respekt, auch nach so vielen Jahren“, sagt Irene Kempa-Meier und erinnert sich an ihr Wiedersehen vor 40 Jahren. Da hatte sie Gerda Ocker acht Tage vor deren Pensionierung an der Krähenwinkler Grundschule vor der Bank getroffen. Gerda Ocker hatte sie zu ihrer Abschiedsfeier eingeladen und ihre frühere Schülerin eine Laudatio gehalten. Anerkennung, die bis heute Bestand hat.