Jahr der Kirchenmusik

Ab und zu gibt es auf „Phoenix“ Rückblenden, zum Beispiel in die ersten Jahre der Bundesrepublik. Bei Gelegenheit schaue ich sie gern. Ich begegne dabei manchen Bildern aus Kindheitserinnerungen. Und ich stelle natürlich fest, was sich seither verändert hat. Und ich mich auch.
Neulich sah ich einen Ausschnitt über die Rückkehr der Soldaten, der Kriegsgefangenen, aus der Sowjetunion. Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer hat in zähen Verhandlungen erreicht, dass Tausende Mitte der Fünfziger Jahre zurückkehren konnten. Manche, wie mein Vater, nach vielen Jahren.
Und dann die Bilder: Auf dem Flughafen, noch bevor die Wege in die Heimatorte auseinander gehen, der Kamerablick in die ausgezehrten, erschöpften und auch erwartungsvollen Gesichter. Sie sangen. „nun danket alle Gott, mit Herzen, Mund und Händen“. So erscholl es aus vieltausendfachen Kehlen. Das bewegt mich noch heute, immer, wenn ich das alte Kirchenlied selber singe.
Ein Gesangbuch brauchte keiner, das gab es da auch nicht. Doch die Lippen formten, was sie kannten. Was konnte eher ausdrücken, den Gefühlen ihren Ausdruck geben, als dieses Lied, als der Gesang, als die Musik. Nur sie kann das.
In diesem Jahr haben wir im Kirchenkreis und in den Gemeinden die Zeit unter ein gemeinsames Motto gestellt: „Das Jahr der Kirchenmusik“. Vielfach werden wir uns in besonderer Weise der Musik zuwenden. Nicht nur in den Gottesdiensten und Konzerten! Auch in den Kindertagesstätten und den Gruppen in den Gemeinden etwa wird die Kirchenmusik eine noch stärkere Rolle spielen.
Mit Freude sehe ich, dass die Nachfrage nach Chorarbeit in ihrer ganzen Vielfalt steigt. Das ist ein gutes Zeichen. Wer singt, tut etwas für sich, lebt auf und ist gut zu seinem Körper. Ich meine, ganz lapidar: Nicht singen können – gibt es nicht. Solange die Stimme da ist, will sie bewegt werden.
Auch in diesem Halbjahr stellen wir Ihnen ein Programm der Kirchenmusik im Kirchenkreis vor. Sie finden es ab Montag auch im Internet: www.kirche-burgwedel-langenhagen.de.
Und wenn Sie auf den Geschmack gekommen sind, dann schauen Sie gern in die Listen der Ansprechpartner für die Chöre. Singen kann viel, sogar glücklich machen.

Martin Bergau, Superintendent