„Jede Straftat weniger ist gut“

Kriminalstatistik weist für Langenhagen sinkende Fallzahlen aus

Langenhagen. Das Polizeikommissariat (PK) Langenhagen hat die Kriminalstatistik 2021 veröffentlicht. Dabei wurden die Fälle von Kernstadt und Ortsteilen zusammengefasst. Auffällig: Es gab 2021 weniger Straftaten als im Jahr zuvor. 4281  Delikte nahm die Polizei auf, 2020 waren es noch 5237 – dies bedeutet einen Rückgang um 18 Prozent. Die Aufklärungsquote blieb mit 63,72 Prozent konstant (Vorjahr: 64,59 Prozent).
Zurückzuführen ist diese Entwicklung auch auf Corona. „In der Pandemie gibt es weniger Personenaufkommen, dadurch kommt es auch zu weniger Straftaten“, sagt Oliver Bunke, Erster Kriminalhauptkommissar und im PK Langenhagen Leiter des Kriminalermittlungsdienstes (KED). Im Vergleich: 2019 waren es im Vor-Corona-Jahr noch 5866 Delikte.
Bunke nennt Beispiele aus dem Alltag. „Wenn während Corona mehr Leute zu Hause sind, gibt es auch weniger Einbrüche. Auch in Geschäften kann weniger gestohlen werden, wenn diese geschlossen haben. Und solange Gaststätten oder Kneipen nicht in Betrieb sind, kann es auch dort nicht zu Streit kommen.“ Grundsätzlich gelte: Wo weniger Menschen unterwegs sind, passiert eben auch weniger. Brennpunkte gebe es nicht. „Aber natürlich gehen Straftaten auf der Walsroder Straße, wo sich viele Menschen aufhalten, vergleichsweise stärker zurück als in ländlicheren Gegenden wie Schulenburg.“
Interessant ist jedoch die Lan-genhagener Statistik über häusliche Gewalt. Denn nach oft zitierten Expertenmeinungen nimmt häusliche Gewalt in der Corona-Zeit zu – weil die Menschen wegen der Pandemie oft auf engem Raum zusammenleben müssen und sich aggressive Verhaltensmuster ergeben können. In Langenhagen sank jedoch die Anzahl entsprechender Straftaten weiter – natürlich soweit sie zur Anzeige gebracht wurden, die Dunkelziffer mag höher liegen. Nach 2019 (163 Taten häuslicher Gewalt) und 2020 (161) betrug sie 2021 nur noch 136.
„Wir haben die Gefahr auch gesehen, dass hier die Zahl steigen könnte, sind auch mit Hilfseinrichtungen im Kontakt“, sagt Bunke und vermutet, „dass die Menschen zwar räumlich, aber wohl auch symbolisch näher zusammengerückt sind“. Eine genaue Erklärung dafür wolle er aber den Fachleuten überlassen. „Dennoch sind es weiterhin Zahlen, die hoch sind und nicht im einstelligen Bereich liegen.“
Weiterhin im hohen Bereich liegt die Cyberkriminalität. Für das Tatmittel Internet stehen 389 Vermögens- und Fälschungsdelikte in der Statistik. Die Zahl ist konstant im Vergleich zu 2020 (386), damals war die Aufklärungsquote mit 73 Prozent aber um 10 Prozent höher als im Jahr 2021. „Die Verschleierungstechnik der Täter wird immer besser, die Rückverfolgung für uns schwerer“, sagt der KED-Leiter. Die Täter gingen immer professioneller vor, Anmeldungen und Geldtransfers fänden immer öfter über das Ausland statt.
Für die gesamte Kriminalstatistik 2021 zieht Bunke ein positives Fazit. „Auch wenn Corona dabei geholfen hat – jede Straftat, die es weniger gibt, ist gut. Und arbeitslos wird die Polizei dadurch ganz bestimmt nicht.“ Ganz im Gegenteil: Man könne die Ressourcen intern anders nutzen, auch Zeit in Aus- oder Fortbildung investieren, sagt Bunke.