„Jeder muss über die Umsetzung selbst entscheiden“

Marc Holst ärgert Differenzierung zwischen Gastronomie mit und ohne Speisen

Langenhagen (ok). Restaurants und Cafés in Niedersachsen können seit dem 11. Mai wieder öffnen; Gastronomie ohne Speisenbewirtung muss geschlossen bleiben. So sieht es der Stufenplan der Landesregierung vor. Eine Differenzierung, die Marc Holst, Betreiber der Billard-Lounge, überhaupt nicht schmeckt. Er sagt: „Ungeachtet dessen, ob hier eine Umsetzung der geforderten Schutzmaßnahmen möglich ist, oder nicht. Dies ist nicht hinnehmbar. Es gibt zahlreiche Restaurants und insbesondere Cafés, die räumlich überhaupt nicht in der Lage sind, die geforderten Schutzmaßnahmen umzusetzen. Trotzdem darf eine Öffnung erfolgen, weil dieser Branchenzweig die Erlaubnis dazu hat. Im Umkehrschluss gibt es zahlreiche Gastronomiebetriebe ohne Speisenzubereitung, die durchaus in der Lage sind, ihren Betrieb zu öffnen und gleichermaßen die gebotenen Regeln zu beachten, um eine Ausbreitung des Virus zu minimieren. Trotzdem müssen diese Betriebe weiter geschlossen bleiben – nun, weil man es einfach so beschlossen hat.“ Vorgaben als Schutz vor dem Virus seien unabdingbar und wichtig, aber über die Umsetzung müsse jeder Betrieb selbst entscheiden dürfen. Insbesondere die gastronomischen Betriebe ohne Speisenzubereitung seien in einer hochgradig kritischen Lage. Hier konnte, im Gegensatz zu den meisten Restaurants, nicht „ein wenig Umsatz“ durch Außer-Haus Geschäft oder Bringdienst erwirtschaftet werden. Umsatz, der derzeit ohnehin nur dem Überleben diene. Eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf sieben Prozent helfe nur den Gastronomen, nicht der gesamten Branche, und ist für ihn nur ein „politischer Winkelzug“. Marc Holst: „Das ist so, als würde man SUV-Fahrern beim TÜV Rabatte einräumen, allen anderen PKW-Fahrern aber nicht.“
Malcolm Whelan aus Langenhagen ist seit mehr als zwei Jahrzehnten für diverse Großbrauereien als so genannter Salesmanager im Außendienst bundesweit für die Gastronomie unterwegs und steht natürlich voll hinter Unterstützungs-Aufrufen wie zum Beispiel den der SPD in Krähenwinkel. Sein Fazit nach zwei Monaten Corona-Krise klingt allerdings wenig zuversichtlich: "Durch völlig unterschiedliche Handhabungen , Regelungen sowie Auflagen für die Wiedereröffnung in allen Bundesländern herrscht eine Große Ungewissheit und weiterhin wenig Zuversicht in der Branche. " Niedersachsen Ministerpräsident Stephan Weil und sein Kabinett hätten "teils nicht nachzuvollziehende Auflagen" erlassen. Whelan gibt ein Beispiel: Wenn ein Gastronom mit einer Kapazität von eigentlich 300 Plätzen nur 50 Prozent belegen dürfe, seinen Gästen noch Essenszwang auferlegt werde, sein Umsatz bei 200 Euro täglich liege, seine Fixkosten pro Monat allerdings bei 9.000 Euro, werde er nicht nur Personal entlassen, sondern über kurz oder lang schließen müssen. Nur eine kontrollierte allgemeingültige Regel wie zum Beispiel in Hamburg oder Schleswig-Holstein könne hier Abhilfe leisten.