Jugendarbeit und Ehrenamt im Wandel der Zeit

Der Vorstand freut sich über die erfolgreiche Jubiläumsfeier (von links): Holger Marckmann, Bernd Kabutke, Andreas Albrecht, Gründungsmitglied Dr. Rainer Holtschneider, Marcel Pochert, Geschäftsführer Sascha Jankowski und Sven Seidel.Foto: C. Wurm

Langenhagener Verein für Sozialarbeit feiert 40-jähriges Bestehen

Langenhagen (cow). Die Auseinandersetzungen, Anstrengungen und Forderungen gegenüber der Politik und der Stadtverwaltung in den vergangenen Jahrzehnten haben sich gelohnt. Denn in diesem Jahr kann der Langenhagener Verein für Sozialarbeit auf 40 bewegte und erfolgreiche Jahre in seiner Historie zurückblicken. Die Feierlichkeiten zum Jubiläum des Trägers des Jugendzentrums (UJZ) am Langenforther Platz und der mobilen, aufsuchenden Jugendarbeit (MAJA), erstreckten sich über drei Tage. Neben vielen Anekdoten und Erinnerungen an die rebellische Vereinsgründung in den 70er Jahren, gab es auch ein Wiedersehen mit Wegbegleitern und Einblicke in aktuelle Herausforderungen.
Den Anfang des Jubiläumsprogramms machte Donnerstagabend ein offizieller Empfang mit Gästen aus Politik und Verwaltung, die die langjährige Vereinsgeschichte – getragen vom Ehrenamt – lobenswert herausstellten. Beim „Fifa 15 Playstation Turnier“ waren am darauf folgenden Tag die Jugendlichen an der Reihe und konnten auf der Spielekonsole ihrer Fußball-Mannschaft zum Sieg verhelfen. Für die besten Gamer im beliebten Zocker-Wettbewerb winkten dabei tolle Preise. Eine vereinsinterne Feier mit Mitgliedern, Ehemaligen und Freunden des Vereins rundete die Festivitäten gebührend ab.
Grußworte bei der offiziellen Eröffnungsveranstaltung gab es von Jörg Röhmann, Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Überraschungsgast Rainer Holtschneider, Gründungsmitglied und Staatssekretär a.D. als auch vom stellvertretenden Bürgermeister Willi Minne, der den Verein für Sozialarbeit als „wichtiges Aushängeschild der Stadt“ betitelte. Zur Auflockerung des abendlichen Programms sorgte das Improvisationstheater „Szene 52“ aus Hannover mit Theater aus dem Moment heraus - ganz ohne Drehbuch und einstudierte Dialoge. Die jungen Künstler ließen ihrer Kreativität freien Lauf und spielten einfallsreiche Szenen aus den Vorgaben des Publikums.
„Der Verein ist insgesamt gut aufgestellt. Die Rahmenbedingungen stimmen. Wir bekommen die Räumlichkeiten, drei feste Stellen sowie die finanziellen Mittel mit einem Jahresetat von über 180.000 Euro von der Stadt gestellt“, erzählt Sascha Jankowski, pädagogische Leitung und Geschäftsführung des Vereins.
Jankowski, der zufälligerweise auch vor 40 Jahren das Licht der Welt erblickte, machte sich auf die Suche nach den Gründungsmitgliedern aus den 70er Jahren, zu denen im Vorstand Thomas Werger, Günter Wiegand, Rainer Holtschneider und im erweiterten Vorstand Irena Kellner und Iris Renner gehörten. Nachdem das Durchschauen von Vereinsregistern nicht von Erfolg gekrönt war, nutzte der Diplom-Sozialpädagoge die moderne Form der Kommunikation über das soziale Netzwerk facebook und konnte auf diese Weise tatsächlich den Kontakt zu Rainer Holtschneider, der vor 40 Jahren im Gründungsvorstand tätig war, herstellen.
Holtschneider absolvierte von 1973 bis 1974 seine juristische Referendariatszeit beim Regierungspräsidenten in Hannover. Mitten in der allgemeinen Jugendzentrumsbewegung und als damaliger JuSo-Anhänger begleitete er die „steinigen“ Anfänge, inmitten von Demonstrationen und Hausbesetzungen, bis hin zur Vereinsgründung in Langenhagen. Zudem wirkte er durch sein juristisches Know-how maßgeblich bei der Entwicklung der ersten Satzung mit. Im Frühjahr 1975 brach der studierte Jurist dann seine Zelte in Langenhagen ab und ging nach Berlin, wo seine berufliche Laufbahn mit vielen interessanten Stationen – eine davon als Staatssekretär des Innenministeriums des Landes Sachsen-Anhalt – ihren Gang nahm. „Ich freue mich, dass sich dieses Samenkorn so fruchtbringend entwickelt hat“, sagt Holtschneider, der über die facebook-Anfrage zuerst sehr erstaunt war, aber gerne den Weg aus Köln auf sich nahm, um die positive Entwicklung des Jugendzentrums zu feiern.
Eine der kommenden Herausforderungen ist für den amtierenden Vorstand die Planung und Koordination des anstehenden Umzugs, während der Sanierungsarbeiten im Südflügel des Jugendzentrums am Langenforther Platz. Bereits Anfang 2016 muss der Verein für Sozialarbeit für ein gutes Jahr die lieb gewonnenen Räumlichkeiten verlassen. Damit das Betreuungsangebot weiter erhalten bleibt, wird derzeit, in Zusammenarbeit mit der Stadt, nach möglichen Ausweichquartieren als Übergangslösung gesucht.
Ein weiterer Schwerpunkt sei zudem, sich medienpädagogisch weiterzuentwickeln und noch besser aufzustellen. Insbesondere Themen wie Cyber-Mobbing und die Sensibilisierung im Umgang mit dem Internet, speziell den sozialen Netzwerken, würden immer wichtiger und erforderten Beratungskompetenz, erklärt Bernd Kabutke, Vorstandsmitglied. „Das Konzept des traditionellen Internetcafés muss neu überdacht werden“, so der 38-Jährige. Die meisten Jugendlichen sind mit einem Smartphone ausgestattet und WLAN-Hotspots, um unterwegs im Internet zu surfen, sind an vielen öffentlichen Plätzen bereits verfügbar. „Alles, was wir machen, ist bedarfsorientiert“, ergänzt Jankowski. So wird aufgrund der großen Nachfrage jeden Monat ein Turnier auf der Spielekonsole Playstation organisiert, das begeistert von mehr als 20 Jugendlichen angenommen wird. Genau diese Bedürfnisorientierung zeichnet erfolgreiche Jugendarbeit im Wandel der Zeit aus.