„Kaminkehrer werden Sicherheitsexperten“

Besuch der Landtagsabgeordneten Sigrid Rakow und Marco Brunotte (r.) bei Wolfgang Vogel (2.v.l.) und Peter Theißen in der Schornsteinfegerschule

Brunotte informiert sich über Schornsteinfegerpraxis

Langenhagen (gg). Mit dem Inkrafttreten des neuen Handwerksgesetzes (SchfHwG) im nächsten Jahr fällt die seit mehr als 70 Jahren bestehende Monopolregelung, zuletzt 1969 gesetzlich gefasst. Auf Hinweis der EU-Kommission zur Gewährung der Dienstleistungsfreiheit bestand Handlungsbedarf, um drohende Klagen abzuwenden. Grund genug für den Landtagsabgeordneten und Langenhagener SPD-Fraktionschef Marco Brunotte, sich über die zukünftige Ausrichtung der Handwerksbetriebe zu informieren. Als Mitglied im Landesausschuss für Wohnungs- und Städtebau richtet er den Blick auf die Veränderungen, die sowohl auf die Schornsteinfeger als auch auf die Bürgerinnen und Bürger zukommen. Über ihre Erfahrungen aus der Praxis berichteten Landesinnungsmeister für das Schornsteinfegerhandwerk Wolfgang Vogel und der Schulleiter der Schorsteinfegerschule Niedersachsen Peter Theißen in einem Informationsgespräch in der Schornsteinfegerschule an der Konrad-Adenauer-Straße. „Haus- und Wohnungseigentümer werden demnächst einen Feuerstättenbescheid zugestellt bekommen. In diesem gesetzlich vorgeschriebenen und kostenpflichtigen Bescheid legt der Kehrbezirksinhaber fest, wann und welche Arbeiten zukünftig im Rahmen der Feuerstättenschau auszuführen sind“, erklärt Theißen. Damit wird dem Hauseigentümer eine Pflicht übertragen. Er muss für die erforderlichen Arbeiten entweder einen registrierten Schornsteinfeger nach Wahl oder den bisherigen Kehrbezirksinhaber beauftragen, da greift dann der freie Wettbewerb. Wenn er einen Schornsteinfeger nach Wahl beauftragt, muss er die Überprüfungsbescheinigungen fristgerecht an den Bezirksschornsteinfeger senden. Diese Last ist neu für den Eigentümer. Mit der Monopolregelung hatte der zuständige Schornsteinfeger alle Aufgaben inne, es brauchte nichts hin und her geschickt werden, sagt Theißen. Jede Änderung oder Neuaufstellung einer Feuerungsanlage führt zwangsläufig wieder zu einem neuen Bescheid. Sicherheitstechnische Arbeiten, wie die Abnahme- oder Brandschutzprüfungen, verbleiben in den Pflichtaufgaben des Bezirksschornsteinfegers und sind vom Wettbewerb freigestellt. Wie sich die Kostenstruktur entwickelt, können Theißen und Vogel nicht vorhersagen. „Zu vermuten ist, dass es am Ende für den Hauseigentümer teurer wird, wenn vom Schornsteinfeger für einzelne Arbeiten weite Wege außerhalb des Bezirks angefahren werden müssen. Klar sehen sie den Trend, dass der klassische „Kaminkehrer“ von einst nun zum Sicherheits- und Umweltexperten wird. Qualifizierte Serviceleistungen dieser Art werden vom Hauseigentümer nachgefragt, und es gibt entsprechende Ausbildungsangebote in der Schornsteinfegerschule. Ein Paradebeispiel für die Sicherheitsausstattung im Wohnbereich sind Rauchmelder, für die in Niedersachsen aber kein Pflichteinbau besteht. Unverständlich aus Sicht von Brunotte, der sich für eine entsprechende Änderung in der Niedersächsichen Bauordnung einsetzt. „Die qualifizierte Beratung durch einen Schornsteinfeger ist für die Bürger sehr wichtig.“