Kein Grund, sich zurückzulehnen

Informierten sich über die aktuelle Kriminalstatistik von Langenhagen bei Kommissariatsleiter Andreas Alder (rechts): SPD-Landtagsabgeordneter Marco Brunotte(2. von links)und SPD- Ratsfraktionsvorsitzender Marc Köhler.Foto: D. Lange

Polizeikommissariat Langenhagen stellt polizeiliche Kriminalstatistik vor

Langenhagen (dl). Der neue Kommissariatsleiter Andreas Alder stellte unlängst die aktuelle Kriminalitätsstatistik des vergangenen Jahres vor. Insgesamt gesehen bleibt das Straftataufkommen, über die vergangenen drei Jahre gesehen, auf einem gleichbleibenden Niveau. Von 4353 im Jahr 2012 sank die Zahl nur leicht auf 4329 in 2013. Interessant dabei ist, was davon nach Abzug von Delikten wie Ladendiebstahl und Erschleichen von Leistungen (Schwarzfahren) noch übrig bleibt, nämlich 3564 Fälle. Das heißt: auch wenn einzelne Diebstahldelikte wie schwerer Diebstahl oder Kfz-Diebstähle rückläufig sind, die Handtaschendiebstähle dagegen haben um fast 100% zugenommen, die sogenannten einfachen Diebstähle um 7,8 Prozent, Fahrraddiebstähle um vier Prozent und Wohnungseinbruchdiebstähle um 20 Prozent. Die Diebstähle aus oder an Kraftfahrzeugen dagegen sind mit minus 32 Prozent rückläufig und nachdem die massenhaften Radkappen- und Fahrraddiebstähle am Flughafen aufgeklärt sind, herrscht auch dort zunächst einmal wieder Ruhe. Wie wichtig die Präventionsbemühungen der Polizei im Bereich der Wohnungseinbrüche nach wie vor sind, zeigen unter anderem die aktuellen Nachrichten zu diesem Thema. Die Partnerschaft Sicherheit im Wohnungsbau, auch über das Netzwerk „zuhause sicher“, wird von der Polizei durch verstärkte Präventionsbemühungen in Form von Beratungen, Vorträgen und Veranstaltungen, gerade zum Thema Technische Prävention, als ein wichtiger Schwerpunkt der Polizeiarbeit angesehen und weiter gepflegt. Natürlich ist jeder Raub, jeder Diebstahl einer zu viel, dennoch bleibt festzuhalten, dass die Zahl der Raubdelikte, mit Ausnahme von Raub auf Straßen und Plätzen, mit minus 57 Prozent rückläufig ist. Stattdessen sind die Zahlen von Betrug, Sabotage oder Ausspähen von Daten und ähnliches im Bereich Computerkriminalität sprunghaft angestiegen. Die Entwicklung zeigt eindeutig seit geraumer Zeit eine Verlagerung der Kriminalität ins anonyme Internet. Die Fälle von Warenkreditbetrug beispielsweise stiegen in einem Jahr rasant um mehr als 133 Prozent. Das weite Thema Cybercrime wird der Polizei daher in Zukunft sicher noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten. Um die Entwicklung nicht weiter ausufern zu lassen, wird künftig eine Menge Präventionsarbeit zu leisten sein. Im Zusammenhang damit werden auch die Fragen nach der Ausstattung und Personalstärke der Polizei eine Rolle spielen. Die Umstellung auf Digitalfunk verlief, so der Kommissariatsleiter Andreas Alder, zwar weitgehend reibungslos. Wie aber in Zukunft der digitale Arbeitsplatz im Streifenwagen aussieht, ist ein Thema, mit dem sich schon seit längerem eine Strategiegruppe bei der Polizei befasst. Angesichts steigender Anforderungen, insbesondere in diesem Bereich, hält Alder eine möglicherweise aufkommende Debatte über die personelle Ausstattung der Polizei aufgrund sinkender Fallzahlen in anderen Bereichen für grundfalsch. Dies bedeute eine hohe Belastung der Kollegen und eine Zunahme der Überstunden, die jetzt schon ein Problem darstellen. Eine wirklich gewinnbringende Kompetenzsteigerung, beispielsweise bei Familienstreitigkeiten, seien Kollegen mit Migrationshintergrund, die in der Lage sind, die ansonsten bestehenden Sprachbarrieren zu überwinden und Konflikte allein dadurch lösen könnten. Einen Grund zu verhaltenem Optimismus bietet die erfreuliche Entwicklung der Jugendkriminalität. Die Netzwerkarbeit mit den in der Arbeit mit Minderjährigen befassten Personen und Institutionen trägt Früchte in Form von über die Jahre ständig rückläufigen Fallzahlen insgesamt und bei Delikten wie Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl und Alkoholmissbrauch im Einzelnen. Ob steigende Flüchtlingszahlen diese erfreuliche Bilanz am Ende negativ beeinflussen werden, bleibt abzuwarten. Mit den Moscheen und den Schulen steht die Polizei jedenfalls in ständigem Kontakt, auch in dieser Frage.