Keine Chance für Geburtsabteilung

In der Diskussion um die Geburtsabteilung in der Paracelsus-Klinik: (von links) Karl Lauterbach (gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion), Marco Brunotte (SPD-Rats- und Landtagsfraktion), Marc Köhler und Anja Sander (beide SPD-Ratsfraktion). (Foto: G. Gosewisch)

Diskussion mit Karl Lauterbach um Paracelsus-Klinik

Langenhagen (gg). Zu einer Diskussion um die bevorstehende Schließung der geburtshilflichen Abteilung in der Paracelsus Klinik war Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion auf Einladung von Marco Brunotte, Landtagsmitglied und Kandidat für Langenhagen, zu einem Kurzbesuch vor Ort; eine Unterstützung für die bevorstehende Landtagswahl ging damit einher.
Die Schließung überraschte Lauterbach nicht: „Für Belegabteilungen ist das im ganzen Bundesgebiet so. Ein Standort wie Langenhagen hat keine ökonomische Grundlage.“
Auf Nachfrage von Marco Brunotte, was sich ändern müsse, damit die Klinikleitung sich doch für den Erhalt der Geburtsabteilung entscheidet, vermied Josef Jürgens, Regionsdirektor der Paracelsus-Kliniken, in der Diskussion das Wort „unumkehrbar“, er erläuterte aber Gründe, die keinen anderen Schluss zuließen: „Es werden sich keine Belegärzte mehr finden, die so arbeiten wollen, wie aktuell noch Wolfgang Brörken als Gynäkologe, der aber in absehbarer Zeit in den Ruhestand geht. Die Versicherungsprämien werden weiter steigen, eine Wirtschaftlichkeit wird nicht zu gestalten sein, insbesondere da es in Hannover eine hohe Dichte der geburtshilflichen Versorgung und der Frühgeburtversorgung gibt. Damit können wir nicht konkurrieren, selbst wenn wir aus der Belegabteilung eine chefarztgeführte Hauptabteilung machen.“ Lauterbach bestätigte: „An der Vergütung der Geburt wird sich kaum etwas ändern, darauf wird die Politik auch kaum Einfluss nehmen können. Bei den Prämien muss man weiterhin von einer Verdopplung in fünf Jahren ausgehen. Wir beobachten das Prämienproblem seit Jahren, die entsprechende Gesetzesinitiative der SPD für eine Lösung scheitert aber an der Mehrheit im Bundestag.“ Um die Prämien für Ärzte und Hebammen bezahlbar zu halten sehe das SPD-Modell die Einführung von Gruppenversicherungen vor, an der sich „öffentliche Träger“ beteiligen müssten. „Öffentliche Umlagen, die Einbindung der Krankenkassen und der Rentenversicherungsträger“ - diese Stichworte nennt Lauterbach in diesem Zusammenhang, wollte aber nicht zu sehr ins Detail gehen, das führe zu weit und sei kompliziert. An der juristischen Situation sei nicht zu rütteln, so Lauterbach, denn als ausdrücklich richtig beurteilt er die aktuellen Schadensregulierung im Regressfall mit immer höheren Abfindungsbeträgen für die Geschädigten. Diese sind in Kombination mit dem steigenden Anteil der Risikogeburten der Grund für das Explodieren der Versicherungsprämien. „Wenn ich weiter arbeiten würde, müsste ich 180.000 Euro Versicherungsprämie zahlen, das ist deutlich mehr als meine möglichen Einnahmen, also muss ich aufhören“, sagt Belegarzt Brörken.