"Keine Einladung zu sexueller Belästigung"

Aktion „Bewerte Frauen nicht nach ihrer Kleidung“

Langenhagen. Zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Langenhagen, Justyna Scharlé, und Schülerinnen der zehnten Klassen der Robert-Koch-Schule veranstaltet das Ophelia-Beratungszentrum am Dienstag, 8. September, eine Aktion zum Thema „Bewerte Frauen nicht nach ihrer Kleidung“. Nach einer Eröffnung um 9.30 Uhr im Rathausfoyer zeigen sich die Schülerinnen als „lebende Schaufensterpuppen“ rund um Marktplatz, CCL und vor der IGS.
Mit dieser Straßenaktion und Plakaten, die durch eine Arbeit der Miami Ad School- Studentinnen Theresa Wlokka und Frida Regeheim inspiriert wurden, sollen gesellschaftliche Klischees bezüglich Kleidung und Äußerlichkeiten hinterfragt werden. Die Debatte um knappe Frauenkleidung, so Corona Bröker vom Ophelia Beratungszentrum, sei nicht neu: Bei der so genannten Mini-Rock-Affäre in Marokko in diesem Frühling wurde zwei jungen Frauen mit kurzen Röcken mit Gefängnis gedroht; Diskussionen dazu füllten die sozialen Netzwerke. Auch in Deutschland sei nach Bröker das Thema präsent: „Wenn ein Hotpantsverbot für Schülerinnen diskutiert wird, dann schreibt man der Kleidung einen sozialen Wert zu. Es ist wichtig, diese Bewertungen hinterfragen zu dürfen und zum Beispiel das Bedürfnis junger Menschen unabhängig vom Geschlecht zu sehen, sich bei Hitze kurze Kleidung anzuziehen und den Kleidungsstil individuell und selbstbestimmt zu wählen.“
In Bezug auf sexuelle Belästigungen oder Übergriffe hält sich zudem hartnäckig der Mythos, Frauen trügen bei freizügiger Kleidung eine Mitschuld. „Die Art der Kleidung ist aber keine Erlaubnis oder Einladung zu sexueller Belästigung“, so Bröker. Und dem Mythos einer Mitschuld an sexuellen Übergriffen bei freizügiger Kleidung hält sie als Vertreterin des Ophelia-Beratungszentrums klar entgegen: „Es gibt keinen Kleidungsstil, der eine Vergewaltigung rechtfertigen könnte!“
Insgesamt sieht Ophelia hierin ein gesamtgesellschaftliches Problem: Bewertungen von Frauen und Mädchen anhand ihres Aussehens werden nicht nur vom männlichen Geschlecht vorgenommen, sondern oft blicken auch Mädchen und Frauen kritisch aufeinander und setzen Kleidung und Äußeres als Bewertungsmaßstab an. Das Beratungszentrum freut sich daher, dass auf Initiative und Idee der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Langenhagen hin das Thema diskutiert und einer Hinterfragung von Vorurteilen Raum gegeben wird.
Das Ophelia Beratungszentrum, Ostpassage 9, berät vertraulich und auf Wunsch anonym Frauen und Mädchen ab 13 Jahren, die Erfahrung mit jeder Art von körperlicher, sexualisierter oder psychischer Gewalt gemacht haben und ist unter Telefon (0511) 7 24 05 05 zu erreichen.