"Keine Perspektiven mit neuem Kitagesetz"

Machen sich für ein Kitagesetz stark, das Wert auf Bildung legt: Susann Kruppa, Petra Francke-Wolf, Mirko Heuer und Micaela Butt. (Foto: O. Krebs)

Quantität in den Einrichtungen soll nicht zu Lasten der Qualität gehen

Langenhagen (ok). Ein bisschen auf kleine Kinder aufpassen und sie bespaßen? Das kann doch eigentlich jeder. Ein Vorurteil, dem sich Erzieherinnen und Erzieher heute immer noch ausgesetzt sehen, das mit der Realität aber nun rein gar nichts zu tun hat Denn: "Eine Kindertagesstätte ist zugleich eine Bildungsstätte", macht Bürgermeister Mirko Heuer deutlich.Und will diesen auch im Entwurf des neuen Kitagesetzes sehen, das seiner Meinung nach das gesellschaftliche Bild des Erziehers nicht ausreichend widerspiegelt. Mütter könnten bei allem Engagement keine ausgebildete Fachkraft ersetzen. Der Anspruch müsse gerade trotz des Mangels eben dieser Fachkräfte weiter bestehen.  Eine Bildungsstätte, die auch Werte und Normen vermitteln soll, ergänzt Micaela Butt, Erzieherin im Waldhaus der Kita Kolberger Straße. Quantität dürfe nicht zu Lasten der Qualität gehen. Und Micaela Butt weiter: "Jeder hat ein Recht auf gute Bildung." Ihre Kollegin Petra Francke-Wolf aus der Kita Stadtmitte sagt: "Das sind Rückschritte. Das neue Kitagesetz macht keine Perspektiven auf. Es ist nicht in die Zukunft gedacht." Und der Verzicht auf Qualität mit Verweis auf die "dramatische Finanzlage" hänge nicht wirklich mit der Abschaffung der Kita-Gebühren zusammen. Ein Forderungskatalog soll jetzt an die Verantwortlichen im Land gehen, um sie vielleicht zum Umdenken zu bewegen. Im Wesentlichen werden da kleinere Gruppen und verlässlichere Perspektiven für einen besseren Personalschlüssel gefordert. Es soll einen Rechsanspruch auf einen integrativen Kita-Platz geben, Fortbildung als Qualitätsstandards festgeschrieben und die Akademisierung ausgebaut werden. Räumliche Ressourcen müssten darüber hinaus mehr Gewicht bekommen, Differenzierungsräume, Bewegungshallen, zusätzliche Besprechungsräume und Arbeitsplätze gesetzt sein. Forderungen, die die Stadt Langenhagen schon größtenteils erfüllt und sich auch finanziell verstärkt einsetzt, nicht zuletzt, um dem akuten Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Denn immer mehr Fachkräfte verließen auch das Berufsfeld aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen. So gibt es in Langenhagen 40 integrative Plätze, die dafür zu reduzierenden Plätze werden von der Stadt finanziert, und auch Fortbildung spielt eine große Rolle. Jeden ersten Dienstag im Monat laufen Vorstellungsgespräche. Und eines ist auch klar: "Keiner tut das für sich selbst", sagt Susann Kruppa aus der Kita Stadtmitte. Für alle sei der Beruf eine Berufung und gerade in Corona-Zeiten vermissen die Erzieherinnen "ihre" Kinder sehr, für die Entwickung seien Austausch und auch Konflikte mit Gleichaltrigen immens wichtig. Nicht zuletzt deshalb öffnet Mirko Heuer, dass es in einem Modellversuch bald wieder zu Kitaöffnungen unabhängig von der Inzidenz kommt, beispielsweise mit einem täglichen Lolly-Test, der in der Diskussion ist. Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Langenhagen hat jetzt eine Resolution zu einem Modellprojekt mit umfassendem Testregime bei konsequenter Kontaktnachverfolgung auf den Weg gebracht,