Kita-Schnelltests sind ein großer Erfolg

Bürgermeister Mirko Heuer fordert Teststrategie, die entlastet und schützt

Langenhagen. „Die Schnelltests in der Langenhagener Kita-Kaltenweide sind ein voller Erfolg“, sagt Eva Bender, Sozialdezernentin der Stadt Langenhagen. Seit Ostern werden in einem Modellversuch an zwei Tagen in der Woche, jeweils etwa 60 Kinder und deren Erzieherinnen und Erzieher im Morgenkreis auf COVID-19 getestet. Zum Einsatz kommen ausschließlich Spuck- und Lollitests, die in einem Nebenraum ausgewertet werden. „Das läuft richtig, richtig gut“, freut sich Andrea Plecksnies, Leiterin der Kita. Etwa 90 Prozent der Kita-Kinder und Eltern nutzen das freiwillige Angebot. Das Ergebnis macht Mut: niemand wurde positiv getestet. „Für den Fall der Fälle hätten wir die Eltern angerufen, damit sie die Kinder in Ruhe abholen können“, sagt Plecksnies. Die Kita-Leiterin weiß, dass Eltern in dieser Situation viele Fragen haben. Beim Abholen persönlich mit Ihnen zu sprechen und sie nicht zu Haus mit ihren Fragen und Sorgen allein zu lassen, ist deshalb ein wichtiger Baustein im Modellprojekt.
Auch aus der Elternschaft gibt es viel Lob: „Die Kinder lernen in der Gemeinschaft mit der Corona-Situation umzugehen“, sagt Mareike Deppe vom Kita-Elternrat. „Die Kleinen spucken wie die Großen und finden das richtig toll“. Deppe betont zudem die Verantwortung der Eltern, gegenüber den Erziehenden und der Einrichtung: „Schnelltests in den Kitas helfen, damit Einrichtungen nicht schließen müssen und sich Erzieherinnen und Erzieher bei der Arbeit nicht anstecken“, sagt die Vertreterin des Kita-Elternrats. „Damit helfen auch Eltern und Kinder mit, Infektionsketten zu unterbrechen“.
„Wir stehen in den Startlöchern, um das erfolgreiche Modell auf andere Kitas zu erweitern und den Langenhagener Weg fortzusetzen“, sagt Bürgermeister Mirko Heuer. „Leider können wir aber noch nicht loslegen, weil es im Land keine Teststrategie für Kitas gibt“, so der Bürgermeister. Mehr noch, Heuer befürchtet sogar, dass das Kultusministerium die Verantwortung für die Schnelltests der Kita-Kinder auf die Eltern übertragen könnte. Doch vor allem arbeitende und alleinerziehende Eltern mit kleinen Kindern sind in der Pandemie besonders schwer getroffen. „Wenn man morgens drei Kinder fertig machen muss, eins in die Schule, zwei in die Kita und zwischen Frühstück, Zähne putzen und Schuhe anziehen noch drei Schnelltests machen soll, schlägt das dem Fass den Boden aus“, sagt Bürgermeister Heuer, selbst Vater von drei Kindern. Auch die Elternschaft äußert Zweifel an möglichen Tests zu Hause: „Wenn es morgens schnell gehen muss, bin ich mir nicht sicher, ob wirklich alle Kinder getestet werden oder ob nicht manche Eltern aus Zeitnot nur "negativ getestet" ankreuzen“, sagt Mareike Deppe. Deppe befürchtet deshalb, dass Tests zu Hause zu einer trügerischen Sicherheit führen, die niemandem hilft.
Dass die Kita-Schnelltests in ganz Langenhagen stattfinden sollen, fordert auch Sebastian Rehling, Mitglied im Jugendhilfeausschuss der Stadt Langenhagen und Vorstandsmitglied der Landeselternvertretung der niedersächsischen Kindertagesstätten. „Die Infektionszahlen steigen täglich. Ich verstehe nicht, warum das Land in dieser Situation noch immer kein einheitliches Kita-Testkonzept verabschiedet hat“, sagt Rehling. „Wer Eltern von kleinen Kindern zusätzlich mit Schnelltests belasten will, um Geld zu sparen, spart jedenfalls am falschen Ende.“ sagt Rehling und verweist darauf, dass die Schnelltests auch erst mal in den Familien ankommen müssten. "Wir brauchen ganzheitliche Strategien und zuverlässige Ergebnisse, ohne großen administrativen Aufwand" moniert der Vater von zwei kleinen Kindern. Seiner Meinung nach sind "lückenlose Schnelltests in den Einrichtungen, zusammen mit einer konsequenten Impfstrategie" der einzige Weg. Eltern dürften jedenfalls, so Rehling, nicht weiter belastet werden.