Kleingewässer als Raritätenkabinett

Oliver Katenhusen (Mitte) erläutert die Besonderheiten der Pflanzen (Foto: R. Stankewitz)

NABU-Wanderung in Kananohe war ein voller Erfolg

Langenhagen. Seit dem Jahr 2008 betreut der NABU-Ortsverein fünf Kleingewässer in Kananohe. Schon in den letzen Jahren zeigten die Pflegemaßnahmen der ehrenamtlichen Helfer Wirkung. So konnten die Bestände von zahlreichen Amphibienarten, die in Niedersachsen inzwischen sehr selten geworden sind, stabilisiert werden. Auch bedrohte Libellen und andere Insektenarten sind hier in beachtlichen Größenordnungen zu finden. Das nicht nur die Tierwelt von der praktischen Naturschutzarbeit der NABU-Aktiven profitiert konnten jetzt 20 Gäste auf der botanischen Wanderung unter Leitung des Botanikers Oliver Katenhusen bestaunen.
Im Jahr 2012 konnte Katenhusen das einzige bekannte Vorkommen des Fadenenzians in der Region Hannover an einem der Kleingewässer finden. Im Jahr darauf konnte dieses Vorkommen bestätigt werden, und es wurden gezielte Pflegemaßnahmen zur Förderung dieser bedrohten Pflanzenart durchgeführt. Mit Erfolg! Am Gewässer angekommen zeigte sich, dass der Bestand des Fadenenzians inzwischen auf rund 90 Pflanzen angewachsen ist. Eine weitere sehr seltene Pflanzenart ist der Pillenfarn. Diese Pflanze kommt an einem der fünf Gewässer massenhaft vor. Auch hier wurden im Jahr 2013 gezielt Pflegemaßnahmen zur Bestandsstützung durchgeführt. Durch offene Bodenstellen am Gewässergrund sollten Möglichkeiten zum Keimen der namensgebenden, pillenförmigen Samenkapseln geschaffen werden. Auch diese Maßnahme war von Erfolg gekrönt. „Durch die neu geschaffenen offenen Bodenstellen haben wir nicht nur den Pillenfarn unterstützt, sondern offenbar auch alte Samendepots einer weiteren botanischen Rarität zu Tage gefördert, denn erstmalig wurde im Gewässer der `Kleine Wasserschlauch`, eine im Wasser lebende fleischfressende Pflanze gefunden“, erläutert Ricky Stankewitz, erster Vorsitzender des NABU-Langenhagen. Bei der Wanderung konnten die Gäste geschätzte 1.000 Pflanzen dieser hübschen, in blassgelb blühenden Art bewundern.
Weitere Highlights waren eine weitere fleischfressende Pflanze, nämlich der „Mittlere Sonnentau“, außerdem der „Englische Ginster“, sowie der blaublühende „Teufelsabbiss“, die den interessierten Gästen fachkundig von Oliver Katenhusen erklärt wurden. Im Umfeld der Kleingewässer waren noch Glocken- und Besenheide zu finden, die jetzt in rosa und zartlila blühen. Am Ende der Wanderung waren die Naturfreunde sichtlich beeindruckt vom Raritätenkabinett Kleingewässer. Abschließend wies Ricky Stankewitz noch auf die folgenden Pflegeeinsätze in diesem Jahr hin, die am 11. und 25. Oktober, jeweils von 10 bis 14 Uhr stattfinden. Dazu der Naturschutzbeauftragte: „Die hier zu sehenden Erfolge sind keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis der konsequent durchgeführten Pflegemaßnahmen. Naturfreunde, die ihren Teil zu diesem Erfolg beitragen möchten, sind bei den Pflegeeinsätzen jederzeit willkommen.“