Kommentar

Den Schlingerkurs verlassen

Sein bislang letzter Besuch im Schulzentrum liegt erst vier Monate zurück. Kultusmininster Grant Hendrik Tonne hatte im Juli Geschenke dabei. 550 Laptops und Tablets. Käme er heute nach Langenhagen, wäre der Empfang wahrscheinlich nicht so freundlich. Eltern und Schüler an der IGS Langenhagen stößt die Entscheidung des Ministers sauer auf, zu Beginn der Woche wieder ins Szenario A zurückgekehrt zu sein, sprich alle Schüler sind an der Gesamtschule wieder an Bord, die Zeit des Wechsels zwischen Präsenz und Homeschooling ist erst einmal passè. Zugegeben, es ist ein komplexes Thema, aber der Schlingerkurs der Landesregierung mit ständigen Wechselspielchen bringt auch keine Ruhe, sondern verunsichert die Schüler eher. Anstatt sich wegen einer vermeintlichen Vorreiterrolle im Vergleich zu den anderen Bundesländern auf die eigene Schulter zu klopfen, sollte Tonne lieber vor der eigenen Haustür seine Hausaufgaben erledigen. Die steigenden Infektionszahlen fordern ein klares und verlässliches Konzept. Weitere finanzielle Unterstützung ist schön und gut, nur wo will er zusätzliches Personal hernehmen, wenn der Arbeitsmarkt leergefegt ist. Der Weg, den die angehenden GS-Abiturienten anstreben, ist der richtige. Die Schulleiter müssen dezentral selbst vor Ort über die jeweiligen Szenarien entscheiden können, denn zu unterschiedliich ist das Infektionsgeschehen in Sachen Corona im Land. Und es ist auch lobenswert, dass sie den Schutz von Freunden und Verwandten in der Risikogruppe vor eine vielleicht optimalere Prüfungsvorbereitung stellen.


Oliver Krebs