Kommentar

Rettungskräfte als Prügelknaben?

Das Rettungswesen in Deutschland basiert auf einer einfachen und für alle verständlichen Maxime: Jedem, der im Notfall Hilfe braucht, wird auch geholfen. Punkt. Mittlerweile stellt sich aber immer mehr die Frage „Sind Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Polizei, aber auch Pflegekräfte und Ärzte deshalb Freiwild für all die Gestörten und Frustrierten im Land? Angriffe gegen Rettungskräfte sowohl verbaler als auch physischer Natur, zumal mit Feuerwerkskörpern oder gar mit Waffen, sind ein erschreckender, in dieser extremen Form zuvor nicht gekannter Ausdruck zunehmender Verrohung und Respektlosigkeit in Teilen der Gesellschaft, der fassungslos macht, aber auch zornig und wütend. Dazu kommen diejenigen, die zur Befriedigung ihrer voyeuristischen Neigungen das Leid der vom Unglück Betroffenen mit ihrem Smartphone filmen und die Einsatzkräfte behindern. Bei allem handelt es sich keineswegs mehr um Einzelfälle, sondern vielmehr um die Spitze des Eisbergs. Offizielle Fallzahlen belegen das. Nicht nur von alkohol- und/oder drogenbedingten Affekthandlungen ist hier Rede, sondern vor allem von gezielten Angriffen auf Feuerwehr, Polizei oder Sanitäter. Schlimm genug, dass es allzu häufig auch die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehren trifft, die derartig widerwärtige und menschenverachtende Auswüchse einer enthemmten Gesellschaft, oder zumindest Teilen davon, ertragen müssen. Sind gerade sie es doch, die ehrenamtlich ihre Zeit opfern und nicht selten auch ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen und die bei manchen ihrer Einsätze Dinge mit ansehen müssen, die man ihnen lieber ersparen würde. Was es am Ende des Tages für die hauptamtlichen Einsatzkräfte allerdings auch nicht einfacher macht. Auch nicht, dass die Ortswehren in Langenhagen derartige Gewaltexzesse bisher noch nicht erleben mussten und von körperlichen Verletzungen verschont blieben. Dennoch, jeder Angriff, jede Silvesterrakete, jede Beleidigung ist eine zuviel. Der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes Berlin, Sascha Guzy, ließ deshalb in seinem offenen Brief anlässlich der Vorkommnisse zum Jahreswechsel 2017/2018 in Berlin keinen Zweifel an seiner Auffassung: „Wer mit Feuerwerkskörpern gezielt auf Mensch oder Tier schießt, begeht Mordversuch!“ Soll heißen: Dementsprechend sollten die Täter auch behandelt und abgeurteilt werden. Von der Politik forderte Guzy, sich weniger mit sich selbst zu beschäftigen und sich stattdessen ihrer Verantwortung gemäß dem Wählerauftrag zu stellen und entsprechende Gesetzesänderungen zum Schutz der Rettungskräfte auf den Weg zu bringen.

Dirk Lange