KRH Psychiatrie setzt Zeichen

Breuste-Installation mit dem Titel "Anhalten alle Uhren". (Foto: G. Gosewisch)

Neues Denkmal erinnert an Opfer der NS-Psychiatrie

Langenhagen (gg). Mit einem großen Festakt hat das Klinikum Region Hannover (KRH) Psychiatrie Langenhagen ein Denkmal zur Erinnerung der Opfer des nationalsozialistischen Regimes (1939-1945) eingeweiht. „Viel zu lange sind die Verbrechen ausgeblendet worden“, erläuterte der ärztliche Direktor der Klinik Stefan Mohr in der Festhalle des Klinikums in der Stadtparkallee. „Stolz kann die Psychiatrie auf ihre Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten sein. Umso mehr schämen wir uns über die zu lange Verdrängung der Verbrechen der NS-Zeit“, sagte er. Dass ein Ort des Gedenkens nun eingerichtet ist, empfinde er als Erleichterung. Die Dimension des Grauens, das das nationalsozialistische Regime mit dem Euthanasie-Programm für psychisch Kranke durchgeführt hat, beschrieb Sebastian Stierl, Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Klinik Lüneburg, in seinem Vortrag ausführlich. Auf der Basis der 12-jährigen Forschung des Historikers Raimond Reiter zu diesem Thema ist in Lüneburg eine Gedenkstätte eingerichtet worden. „Es ist wichtig, statt der Zahlen der Betroffenen, deren Bilder zu zeigen“, erklärte Stierl zur Ausstellung und bat eindringlich um die Hilfe von Familien der Betroffenen, damit Fotos und die Beschreibung der Einzelschicksale in die Sammlung aufgenommen werden können.
Als schwere Installationen aus Stahl mit politischer Aussage sind die Arbeiten der Künstlerin Almut Breuste bekannt. „Wir sind auf ihre Installation in der Nähe der Gedenkstätte Bergen-Belsen aufmerksam geworden und haben sie für den Auftrag in Langenhagen Anfang des Jahres angesprochen. Uns wurde schnell klar, dass sie die richtige ist und haben keinen anderen Künstler mehr angesprochen“, erklärte Mohr im Gespräch mit dem ECHO. Erst später habe er erfahren, dass ihr Mann Hans Breuste kurz zuvor gestorben ist. Das Künstlerpaar hatte bisher zusammengearbeitet. Hans Breuste ist im Jahr 2009 mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden, überreicht vom vom Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur Lutz Stratmann.
Viel erklären wollte Almut Breuste zur Installation mit dem Titel „Anhalten alle Uhren“, die als Gedenkstätte nun vor dem Eingang der KRH in der Stadtparkallee steht, nicht: „Viel wichtiger ist zu erfahren, was Betrachter dazu sagen. Die Interpretation ist offen.“ Sie ist sich sicher, dass der Block mit den „unperfekten Kanten“ und die Bahnräder darauf, die wie abgeschliffene Zahnräder wirken können und festgeklammert sind, Menschen zum Innehalten bringt, wenn sie das Objekt betrachten.