Kritische Töne am Einheitsfeiertag

Die drei bisherigen Vorsitzenden des Verbandes politisch Verfolgter des Kommunismus (von links): Wolfgang Becker, Renate Friedrich-Werner und Siegmar Faust. (Foto: O. Krebs)

Rede von Siegmar Faust kam nicht bei allen gut an

Langenhagen (ok). Mauerfall und Wiedervereinigung sind die nach Auffassung von Renate Friedrich-Werner die glücklichsten Ereignisse in Deutschland seit Kriegsende und kennzeichnen unseren Nationalfeiertag, den 3. Oktober. Eine Auffassung, die Siegmar Faust – Nachfolger von Renate Friedrich-Werner im Amt des Vorsitzenden des Verbandes politisch Verfolgter des Kommunismus – sicherlich teilt. Dennoch war in seiner Rede im Rathausinnenhof nicht nur „Friede, Freude, Eierkuchen“ angesagt, Faust schlug auch aus seiner Sicht notwendige kritische Töne an. Pauschal verurteilte er SPD und Grüne als diejenigen, die die deutsche Einheit zunächst nicht wollten. Im Gespräch mit dem ECHO räumte er später ein, dass auch Teile der CDU dem Einheitsgedanken zunächst nicht positiv gegenübergestanden hätten. Politische Illusionen seien für ihn zusammengebrochen. Er habe sich mehr und mehr gefragt, ob dies noch die Bundesrepublik sei, für die „wir als Dissidenten eingetreten sind.“ Sein Abwatschen der Politiker kam im Publikum allerdings nicht überall gut an, einige empfanden diese Pauschalkritik als nicht angemessen wie auch sein Exkurs in Sachen Islamisierung in Deutschland. „Unangemessen“, so der Tenor von Besucherinnen und Besuchern. Seine Frage: War der Sozialismus wirklich eine gute Idee, die nur schlecht ausgeführt worden ist? Versöhnliche Worte fand Faust aber am Ende seines Vortrags: „Es ist eine gelungene Sache gewesen. Wir sehen heute blühende Landschaften und Städte. Landschaften und Städte, wie sie einst der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl versprochen habe. Aber nicht nur Faust und Friedrich-Werner waren beim kleinen Festakt dabei, sondern auch ihr Vorgänger beim Verband politisch Verfolgter des Kommunismus, Wolfgang Becker. Renate Friedrich-Werner hob hervor, dass er die Mahntafel für die Opfer von Gewalt am Rathaus gespendet habe. Wer die friedliche Revolution und die ersten freien Wahlen in der DDR sowie den Weg zur deutschen Einheit in Wort und Bild noch einmal nachvollziehen möchte, hat bis zum 25. Oktober noch Gelegenheit dazu. Bis dahin kann die Ausstellung „SED, wenn Du nicht gehst, dann gehen wir“ im Rathausfoyer besichtigt werden.
Nach der Festrede und der Ausstellungseröffnung war der Tag der Deutschen Einheit im Stadtzentrum für viele Langenhagenerinnen und Langenhagener noch nicht beendet. Sie ließen den sonnigen Tag beim Herbstfest und mit einem Bummel durchs CCL am verkaufsoffenen Tag ausklingen.