Kunst darf Zumutung sein

Ronald Kunze (von links), Rolf Bier, Stadträtin Monika Gotzes-Karrasch, Simone Neddermann vom Planungsbüro PlanKom als Moderatorin und Roland Nachtigäller.

Stadtgespräch über Kunst im öffentlichen Raum

Langenhagen (dl) Was bedeutet heute „Kunst im öffentlichen Raum“ für den Stadtraum und die Stadtentwicklung und wie kann die Bevölkerung zu einer aktiven Auseinandersetzung mit ihr, einschließlich möglicher Gestaltungsoptionen des eigenen Lebensumfeldes, angeregt werden? Dieser und allen damit im Zusammenhang stehenden Fragen ging die öffentliche Diskussion anlässlich des 11. Langenhagener Stadtgesprächs am Donnerstag im Rathaus nach. Ursula Schöndeling, die Kuratorin des Langenhagener Kunstvereins, äußerte im Vorfeld der Diskussion die Hoffnung, dass diese „das Thema voranbringt und nicht im Streit mit verhärteten Positionen endet. Die Kunstwerke im Langenhagener Stadtraum sind immerhin ein Teil unseres eigenen Kunstgeschichtlichen Erbes. Dazu sind Gespräche und Auseinandersetzungen mit und über Kunst notwendig“. Zu dem Stadtgespräch mit anschließender Podiumsdiskussion hatte Anette von Stieglitz, die Leiterin der VHS als Initiatorin, die Gastreferenten Rolf Bier von der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart sowie Roland Nachtigäller, den künstlerischen Direktor des Museums für zeitgenössische Kunst MARTa in Herford eingeladen. Beide schilderten anhand von vielen Beispielen von ihren Erfahrungen und auch Widerständen bei der Realisierung und Umsetzung ihrer Vorstellungen von Kunst im öffentlichen Raum. Beide sind sich einig, dass „Kunst unter anderem auch den Faktor Zeit benötigt, um im öffentlichen Raum akzeptiert und wahrgenommen zu werden“. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel hierfür ist die Geschichte der Nanas in Hannover. Bereits im Vorfeld wurden diese drei drallen Figuren der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle heftigst attackiert und vehement abgelehnt, heute werden sie geliebt als ein Wahrzeichen der Stadt. Die Akzeptanz und die Bedeutung von Kunst verändert sich und vermeintliche Gegenargumente wie: zu teuer, hässlich, alles soll so bleiben wie es ist, lösen sich auf und verwandeln sich in breite Zustimmung. Möglicherweise auch erst dann, wenn das Kunstwerk entfernt werden soll. So geschehen im Falle des Glasobelisken vor dem Langenhagener Schulzentrum, der den dortigen Baumaßnahmen weichen musste. Im Rahmen einer gemeinsamen Bürgeraktion wurde der Obelisk mit Einverständnis des Künstlers Michael Deiml im Oktober abgebaut, die Flaschen gereinigt und alles zusammen eingelagert. Für Rolf Bier ist dies ein gutes Beispiel für ein bürgerschaftliches Engagement, das in Form von Patenschaften fortgesetzt werden kann, denn Kunstwerke wollen auch gepflegt und instandgesetzt werden. Der Etat der Stadt mit rund 30 000 Euro für den Ankauf von Kunst und zur Förderung von Kunstkonzepten lässt hierfür nur einen geringen Spielraum zu. Die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in das Thema Kunst im öffentlichen Raum war denn auch eine der zentralen Fragen bei der Podiumsdiskussion. Ein Expertengremium mit Bürgerbeteiligung unter der Federführung des Langenhagener Kunstvereins wäre hier ein mögliches Denkmodell. Zu den Kriterien, was die Auswahl von Kunst betrifft und sie definiert, hat Roland Nachtigäller vom Museum MARTa eine handfeste Meinung: „Kunst muss provozieren und sollte seiner Zeit voraus sein. Sie darf auch eine Zumutung sein. Zumindest auf den ersten Blick“. Unter dem Stichwort „Kunst im öffentlichen Raum in Langenhagen“ sind bei Wikipedia mit Anmerkungen zu deren Geschichte alle Kunstwerke im Langenhagener Stadtgebiet aufgelistet.