Kuss der Jungfrau teuer eingekauft

Der Platz vor der Feuerwehr Godshorn war gut besucht, als Junggeselle Kai Mehrstedt fegen musste. Fotos: A. Wiese

1. Hauptfeuerwehrmann Kai Mehrstedt musste die Treppe der Feuerwehr fegen

Godshorn (awi). Für die zahlreichen Zuschauer war es eine Riesengaudi, für den Protagonisten Schwerstarbeit: Weil er am Donnerstag 30 Jahre alt wurde und unverheiratet beziehungsweise sogar völlig ungebunden ist, musste der 1. Hauptfeuerwehrmann Kai Mehrstedt, der bei der Feuerwehr Godshorn den Posten des Sicherheitsbeauftragten bekleidet, am Donnerstagabend die Treppe der Feuerwache fegen.
So will es ein uralter Brauch und so wollten es auch die Feuerwehrkameraden, Motorradkumpel, Geschwister und Freunde des ledigen Geburtstagskindes. Hunderte von Kronkorken kippte der jüngere Bruder Peer Mehrstedt auf der Treppe von Feuerwehrgebäude und Verwaltungsstelle aus. Ein geeignetes Fegeinstrument musste sich der Unglückselige erst mal verdienen.
Level 1 begann mit einer Zahnbürste, als nächstes folgte ein Handfeger, aber erst, nachdem Kai jeweils eine „Jugendschandtat“ zugegeben hatte. Schon bald begann er schwitzend nach einer Jungfrau Ausschau zu halten. In den Kreisen der Feuerwehrkameradinnen hatte er sich auch bald eine ausgeguckt, die ihn durch einen Kuss von dem stressigen Fegejob erlösen sollte. Zwar war Kai das Fegen als Schornsteinfeger nicht fremd, doch sind Kronkorken auf Waschbeton und Russ im Kamin zwei ganz verschiedene Paar Schuhe und die Zuschauer machten es ihm nicht leicht, indem sie hinter seinem Rücken die zusammengefegten Kronkorken immer wieder verteilten. Die elfährige Kimberly Raehr aus Godshorn wusste ihren Befreiuungskuss dann auch teuer zu verkaufen: In zähen, immer wieder durch Fegen unterbrochnen Verhandlungen, handelte sie mit dem verzweifelten Junggesellen einen Kinobesuch mit 3D-Film und Essen für sich und ihre Freundin Celina-Sophie aus. Doch diesen Preis war es Kai ganz offensichtlich wert, endlich vom Fegen erlöst zu werden und vor allem aus dem Sträflingsanzug herauszukommen, in den seine Feuerwehr- und Motorradkumpanen ihn zur Feier des Tages gesteckt hatten. Nach Abschluss des Fegezeremoniells wurde noch ausgelassen gefeiert und sich mit dem Chili con Carne gestärkt, das das Geburtstagskind in weiser Voraussicht in rauen Mengen vorbereitet hatte.