Leserbrief

Erhöhung der Hundesteuer um 50 Prozent

Zu Berichten rund um die Hundesteuer erreichte die Redaktion folgender Leserbrief: "Die Stadt erhofft sich bei ca. 2.500 gemeldeten Hunden Mehreinnahmen von ca. 75.000 Euro. Wenn ich als Vermieter die Miete um 50 Prozent erhöhe oder als Geldverleiher 50 Prozent Zinsen nehme, werde ich wegen Wucher verurteilt. Die Stadt hat mit der Erhöhung kein Problem.
Die Rechnung mit den fünf Unbekannten: 1. Wie viele Bürger kaufen sich mit Blick auf die Hundesteuer keinen Hund?; 2. Wie viele Hundehalter ersetzen ihren verstorbenen Hund nicht?; 3. Wie viele Hundehalter schaffen ihren Hund ab?; 4. Wie viele Hundehalter melden ihren Hund am billigeren Zweitwohnsitz an?; 5. Wie viele Hunde verschwinden in der Illegalität?
Bei nur 100 Hunden sind das schon 9.000 Euro Miese. Wie viele Bürger tatsächlich die Reißleine ziehen, weiß keiner. Der Bund hat mit der Tabaksteuer mehrfach sehr schlechte Erfahrungen machen müssen. Je höher die Steuer umso geringer die Einnahmen. Muss Langenhagen das unbedingt nachmachen? Desweiteren sollte der Hund als Wirtschaftsfaktor nicht unterschätzt werden. Ein Hund kostet im Monat mindestens 50 Euro (Futter, Tierarzt, Leine, Spielzeug, Ausbildung, Steuer, Versicherung). In vielen Fällen ein Vielfaches. Selbst wenn nicht alles davon in Langenhagen ausgegeben wird, verbleibt dennoch viel vor Ort, wovon wieder Steuern bezahlt werden und Arbeitsplätze erhalten bleiben (Tierarzt, Einzelhandel).
Bei sinkenden Hundezahlen sinken auch die Steuereinnahmen und die Zahl der Arbeitslosen steigt. Wer ist schuld, wenn später das Fazit gezogen werden muß: Außer Spesen nichts gewesen? Auch die soziale Komponente sollte berücksichtigt werden. Viele Ältere und Alleinstehende haben nur ihren Hund, über den werden bei jedem Spaziergang soziale Kontakte entstehen und gepflegt. Was wird, wenn diese Gruppe sich ihren Hund nicht mehr leisten kann? (Stichwort Altersarmut). Kommen dann unsere Volksvertreter zum Händchen-Halten? Ich glaube nicht daran. Außerdem besteht immer noch Klärungsbedarf, warum für Hunde Steuern bezahlt werden müssen, nicht aber für Pferd, Katze, Meerschweinchen und Goldfisch? Was wäre, wenn das Verfassungsgericht die Frage wegen Ungleichbehandlung klären müßte? Wenn die Stadt schon nicht die Finger von der Steuererhöhung lassen will, sollten im Gegenzug zumindest geeignete Freilaufflächen ausgewiesen werden, das kostet nichts! Die Flächen sollten aber auch gepflegt werden. Der Dauerbrenner: Mähen der Freilaufflächen. Es ist nicht einzusehen, warum den Grillen, den Liegewiesen- und Spielplatznutzern ständig Unmengen von Dreck hinterher geräumt wird, obwohl sie weder Grill- noch Liegewiesensteuer bezahlen. Die Hundehalter müssen das Mähen ehrenamtlich organisieren. Das Mähen sollte aus den allgemeinen Steueraufkommen, wohin auch die nicht zweckgebundene Hundesteuer fließt, finanziert werden. Ungeeignet ist zum Beispiel die Fläche im Brinker Park, dort könnte die Stadt Kurtaxe erheben (Moorbad Langenhagen) oder einen Gummistiefelverleih eröffnen, natürlich gegen Gebühr! Die Fläche sollte Richtung Osten oder Süden erweitert werden, um den tiefsten Sümpfen ausweichen zu können. Nicht vergessen, an jedem Langenhagener Hund hängen mindestens zwei wahlberechtigte Bürger.
Ich hoffe, ich habe einige Langenhagener etwas nachdenklich gemacht, auch im Rathaus!"
Erhard Quoos, Langenhagen