Licht in die Welt tragen

Manches macht unseren Alltag finster und trüb. Denken wir an Trauer und Abschied, an Streit und Ärger, an Angst und Alleinsein an dunkle Tage in diesen Wintermonaten. Wenn es uns schlecht geht, sehnen wir uns nach Freude, Licht und Helligkeit.
Gerade in der Adventszeit scheint das Bedürfnis nach Licht sehr groß zu sein. An vielen Stellen stossen wir auf Licht unterschiedlichster Art, künstlich und natürlich, sparsam und bedrängend, wärmend oder blinkend, kitschig und bunt. Die Absicht aber scheint überall gleich zu sein - die Dunkelheit zu erhellen und die Trübsal zu vertreiben. Die Adventszeit führt uns zum Weih-nachtsfest hin. Sie führt uns zum Stall nach Betlehem, sie führt uns auch zu dem Mann, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Weiter zieht er die Konsequenz und sagt: „Auch ihr seid das Licht der Welt. Tragt dieses Licht in die Welt hinaus“.
Ist das nicht mitunter angesichts unseres Alltags eine Überforderung? Werden
wir nicht durch die obigen Erfahrungen zu oft runtergezogen. Licht sein, wie kann das überhaupt gehen? Gilt nicht in unserem Land erst einmal Meckern und Stöhnen als oberstes Prinzip? Schaue ich in meine Umgebung, dann gibt es da auch Menschen, die mich aufbauen, und gegebenenfalls trösten, die mir Hilfe anbieten, eine Situation durchzustehen, die mir Kraft geben oder die mir helfen, eine Entscheidung zu treffen und durchzuhalten oder die mir einfach Kraft schenken. Menschen, die Licht für mich sind und mein Leben hell machen. Sie können das Licht tief in mir wieder zum Leuchten bringen. Sie stoßen mich an, Licht zu sein. Genauso, wie ich in der Stille Kraft für das Licht sein, aus der Nähe Gottes erfahre. Aber ich muß nicht immer nur agieren, Licht sein und mich als Aktivposten durch Hilfe und Begleitung verzehren. Manchmal reicht es, sich von Gott getragen zu wissen und seine Liebe und Nähe durch sich durchscheinen zu lassen - quasi wie ein Parabolspiegel seine Liebe zu bündeln und weiter zu leiten.
Auf dem Weg zum Weihnachtsfest und darüberhinaus wünsche ich uns, immer wieder Menschen zu begegnen, die dies’ erfahrbar machen, und selbst Menschen zu sein, die in der genannten Form Lichtträger sind.

Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer