Lieder, die Mut machen

Landesbischof Ralf Meister hob in seiner Predigt die "Kraft der Musik" hervor.Foto: D. Lange
 
Diskutierten mit den Kirchvorstehern: Landesbischof Ralf Meister (rechts) und Superintendent Martin Bergau mit Moderatorin Kerstin Richter.Foto: D. Lange

Landesbischof Ralf Meister predigt in Elisabethkirche

Langenhagen (dl). Seinen zweitägigen Besuch im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen nutzte Landesbischof Ralf Meister für eine Vielzahl von Informationsgesprächen in einigen Kirchengemeinden des Kirchenkreises und lernte dabei unter anderem das Langenhagener Familienzentrum Emma und Paul (siehe weiterer Bericht) sowie die Pestalozzi-Stiftung in Großburgwedel kennen.
Den zentralen Programmpunkt dieser zwei Tage bildete allerdings der Gottesdienst aus Anlass des „Jahrs der Kirchenmusik“ am Dienstagabend in der Elisabethkirche.
Dieser an musikalischen Höhepunkten so überaus reiche Gottesdienst bezauberte zurecht sowohl den Bischof wie auch die zahlreichen Gäste, die zum Abschluss begeistert applaudierten. Verantwortlich für diese Begeisterung waren die Chöre der St. Martini-Kirchengemeinde Brelingen unter der Leitung von Sabine Kleinau-Michaelis, der Posaunenchor Brelingen, den Hans-Jürgen Weiß leitet, der Kirchenkreiskantor Christian Conradi an der Orgel sowie Thomas Zander (Saxophon) und Jonas Pirzer (Percussion). Alle zusammen füllten sie das Kirchenschiff mit ihrem kraftvollen und gewaltigen Klang bis unter das Dach und bis in den letzten Winkel. Bischof Ralf Meister, der in seiner Predigt die Kraft der Musik und ihre Rolle im Widerstand gegen das Unrecht, gegen Apartheid und gegen den Krieg hervorhob, nannte den Sänger, Bürgerrechtler und Unicef-Botschafter Harry Belafonte als Beispiel in diesem Zusammenhang und sprach von seinen „Liedern, die Mut machen.“
Für ihre großartige musikalische Arbeit würdigte Bischof Meister anschließend die beiden Brelinger Chorleiter, Sabine Kleinau-Michaelis und Hans-Jürgen Weiß, die stellvertretend für ihre Kirchengemeinde den Sonderpreis „Musik“ des Magazins „Chrismon“ entgegennahmen. Hierzu hatten sich bundesweit 195 Kirchengemeinden beworben, unter denen die Jury letztendlich die Kirchengemeinde Brelingen auswählte. Bischof Meister wandte sich in seiner Würdigung an die beiden Preisträger und sagte: „Sie haben mit Ihrer Arbeit in dem Kinderchor, dem Jugendchor dem Mittelchor und dem Kirchenchor sowie dem Posaunenchor ein generationenübergreifendes Netzwerk begeisternder Kirchenmusik entfaltet."
Im Anschluss an den Gottesdienst stellte sich der Landesbischof den Fragen der Kirchenvorsteher des Kirchenkreises. Fragen, die die Arbeit der Kirchenvorstände unter anderem sehr direkt betreffen wie etwa die immer größere Arbeitsbelastung. Auch für die Pastoren, so dass die eigentliche Aufgabe der Seelsorge in vielen Kirchengemeinden häufig zu kurz komme. Als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sei die Kirche leider auch betriebswirtschaftlichen Zwängen unterlegen, so Meister, er appellierte daher an die Kirchenvorstände, hartnäckig zu bleiben. Für die Kirchenvorstände seien darüber hinaus, was die Zukunft der Landeskirche betrifft, angesichts wachsender Aufgaben auf der einen Seite und immer weniger Hauptamtlichen auf der anderen Seite noch sehr viele Fragen offen. Diese beträfen beispielsweise die Kompetenzen der Diakone, die nach derzeitigem Stand der Dinge die Feier des Abendmahls weiterhin ihren Pastorenkollegen überlassen müssen. Ein Umstand, den auch der Landesbischof als hinderlich für die Arbeit der Diakone ansieht. Auch die Bedeutung des Ehrenamts wird für die Zukunft der Kirchen eine Rolle spielen. Hier gehe es in erster Linie um die Frage nach einem Grundstandard des Ehrenamts sowie, und das sei fast noch wichtiger, um die Wertschätzung und Motivation der ehrenamtlichen Arbeit. Das schließe auch eine fundierte Ausbildung mit ein, für die, so Meister, alle Kirchenvorstände auch ein Budget zur Verfügung haben sollten. Der Landesbischof wusste bei aller Ernsthaftigkeit der angesprochenen Themen seine Zuhörer auch zu unterhalten und wurde zum Abschluss noch nach seinen persönlichen musikalischen Vorlieben befragt. Daraufhin outete er sich als Jazz- und Bluesfan. Keine schlechte Wahl.