„Mehr Liebe und weniger Hiebe“

Ging in seiner Ansprache auf rechtsradikal motivierte Jugendgewalt ein: Christian Pfeiffer.Foto: D. Lange

Christian Pfeiffer auf der Godshorner Laienkanzel

Godshorn (dl). Zum fünften Mal feierten die Kirchengemeinden Godshorn Zum Guten Hirten und Emmaus am 1. Januar den traditionellen Neujahrsgottesdienst mit Laienkanzel, der in diesem Jahr unter dem Motto „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ stand.
Die Ansprache in der Laienkanzel hielt der Leiter des kriminologischen Forschungsinstituts in Niedersachsen, Christian Pfeiffer, der eine Professur für Kriminologie und Jugendstrafrecht an der Universität Hannover innehat und von 2000 bis 2003 Justizminister in Niedersachsen war. Pfeiffer, dessen Thesen und Schlussfolgerungen in Fachkreisen umstritten sind, wenn es beispielsweise um den Zusammenhang von digitalen Unterhaltungsmedien, schulischen Misserfolgen und Jugendgewalt geht, wird häufig bei spektakulären Verbrechen als Experte zu Rate gezogen. Er beschäftigte sich in seiner Ansprache unter anderem mit rechtsradikal motivierter Jugendgewalt und den Gründen hierfür, die, so Pfeiffer, in aller Regel im Elternhaus zu suchen seien. Arbeitslosigkeit, Alkohol und Gewalterfahrung zur Machtausübung in frühester Kindheit machten die Jugendlichen anfällig für die allzu einfachen Thesen und Lösungen der Neonazis, bei denen sie darüber hinaus ein Gemeinschaftsgefühl und den vermeintlichen Halt fänden, den sie zuhause nie gespürt hätten. Ein Aspekt, der bei dieser Thematik möglicherweise noch zu kurz komme, sei das Dilemma, dass rechtsextreme Gruppierungen, wie der „Stern“ schreibt, darüber hinaus wohl auch ein jugendspezifisches Grundbedürfnis nach Rebellion und Provokation erfüllten. In seiner Rede setzt sich Pfeiffer entschieden dafür ein, die elterliche Gewalt in den Mittelpunkt öffentlicher Debatten zu stellen und prangert jene „irregeleiteten religiösen Disziplinfanatiker“ an, die sich bei der Kindererziehung immer noch auf die Bibel und das Alte Testament beriefen. Diese würden erfreulicherweise aber immer weniger, weil die Zusammenhänge zwischen gewalttätigen Kindheitserfahrungen und der Anfälligkeit für Rechtradikalismus auf der Hand lägen und es für ihn, Pfeiffer, feststehe, „dass eine gewaltfreie und liebevolle Kindererziehung der beste Garant für einen aufrechten Gang und Zivilcourage ist“. „Kinder, die zuhause von ihren Eltern Zuwendung und Liebe erfahren haben, werden Sie bei den Neonazis nicht finden“, ist Pfeiffer überzeugt und wird darin beim anschließenden Neujahrsempfang im Gemeindehaus von einer Mutter bestätigt, deren elfjähriger Sohn die gleichen Zusammenhänge ebenfalls bereits beobachtet hat.