Mehr Niederschlag, Wasser steigt

Starkregen: Eigentümer müssen selbst für ihre Sicherheit sorgen

Langenhagen. Wie die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, bleibt auch Langenhagen leider nicht von größeren Niederschlagsmengen und steigenden Wasserständen verschont. Dies führte zu Überflutungen der Straßen sowie der Privatgrundstücke.
Besonders betroffen war bei den letzten Starkregenereignissen beispielsweise der Sollingweg. Dieser wurde in den vergangenen Jahren gemäß der rechtlichen Vorgaben im Straßenbau saniert und umgestaltet. Durch die letzten Starkregenereignisse, kam es zu der Vermutung, dass die Überflutungen durch den geänderten Straßenausbaus ausgelöst werden. Am Sollingweg konnte aufgrund der geringen Straßenbreite nur ein einseitiger Gehweg geplant werden. Von der gegenüberliegenden Straßenseite muss barrierefrei die Fahrbahn gequert werden, um auf den Gehweg zu gelangen. Die Straße sowie der Gehweg sind barrierefrei ausgebaut worden. Das heißt, dass nur eine geringe Querneigung vorgesehen werden durfte. Die Anlage eines Hochbordes war nicht
möglich. Gegenüber dem damaligen Zustand gibt es heute mehr Abläufe, die das anfallende Regenwasser in den vorhandenen Kanal ableiten.
Die betroffenen Baugrundstücke waren immer schon tiefer gelegen als die benachbarten Grundstücke. Beim Straßrenausbau wurden die vorhandenen Höhen der Grundstücke wieder angeschlossen. Ein zusätzlicher Ausbau auf Privatgrundstücken, der nicht zwingend technisch notwendig ist, wie im Bereich des Sollingweges, darf nicht durch die Stadt und zulasten des Steuerzahlers erfolgen. Sicherlich kann bei zukünftigen Planungen mit den Eigentümern gesprochen werden, ob diese auf eigene Kosten im Rahmen der Baumaßnahme Anpassungen vornehmen möchten. Regenereignisse treten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in bestimmten Zeitabständen auf. Extremereignisse mit Niederschlägen, die in einer Stunde erheblich mehr als 25 Liter Regenwasser je Quadratmeter (Unwetterwarnung durch den Deutschen Wetterdienst) erbringen, sind zwar statistisch sehr selten, können aber jederzeit und ohne Vorwarnung auftreten.
Überschwemmungen nach Starkregenereignissen werden auch zukünftig in vielen Straßen auftauchen. Speziell in Bereichen, in denen mangels notwendiger Breite kein Gehweg vorgesehen werden kann und eine Mischverkehrsfläche angelegt wird. Jedoch ist ein Verzicht auf die Barrierefreiheit, zugunsten der Rückhaltung des Regenwassers auf der Straße, rechtlich keine Option. Die Kanalnetze sind bundesweit, so auch in Langenhagen, für diese Extremereignisse nicht ausgelegt.
Die Auslegung nach solch großen Regenmengen hätte Kanaldurchmesser zur Folge, die um ein Vielfaches größer als die vorhandenen Kanäle wären. Der Bau entsprechend großer Abwasseranlagen wäre technisch kaum möglich, führte zu enormen Steigerungen der Abwassergebühren und zu Störungen im dauerhaften Betrieb.
Das bestehende Kanalnetz in Langenhagen ist so ausgelegt und berechnet, dass es zu einem Überstau in drei Jahren kommen kann. Eine weitere Verdichtung der Bebauung (Hinterliegergrundstücke), die Verdichtung der Flächen auf den Grundstücken wie etwa durch Parkplätze verschlechtern diese Situation stetig.
Obwohl die Stadt Langenhagen ihre Fürsorgepflicht sehr ernst nimmt, kann sie für ihre
Bürger keinen vollständigen Schutz gewährleisten. Extremwetterlagen werden trotz aller städtischen Vorsorgemaßnahmen auch künftig durch die städtische Infrastruktur nicht beherrschbar sein. Das Bewusstsein um die Bedeutung, dass bei extremen Starkregenereignissen Eigenschutz gefragt ist, sollte auch bei jedem Grundstückseigentümer zunehmen. So sind verstopfte oder zu klein bemessene Entwässerungsrinnen (insbesondere vor Garagen),
ebenerdige Zugänge, undichte Fugen und Durchleitungen der Hauswand, fehlende Rückstauklappen, ebenerdige Lichtschächte und Kellerfenster oder zu klein bemessene Dachentwässerung auch Gründe, warum Oberflächenwasser im eigenen Haus zu Problemen führen kann. Im Klartext: Die Eigentümer müssen selbst für ihre Sicherheit sorgen. Bei dem letzten Starkregenereignis war auch die Rufbereitschaft der Stadtentwässerung aktiv, um gegebenenfallsauftretende Probleme im öffentlichen Entwässerungssystem sofort beseitigen zu können. Alle Pumpwerke waren aktiv, und es kam zu keinen Ausfällen, weder in den Pumpwerken noch in den Kanälen.