Mein Kirchentraum

Fast täglich ist die katholische Kirche im Moment in den Nachrichten. Unterschiedliche Anlässe, manches wo ich an unserer Kirche leide, aber auch anderes, wo ich denke, eine größere Sachlichkeit und Objektivität wäre hilfreich. So könnte sicher manches z.B. zu der Frage der Zusammenarbeit mit dem kriminologischen Institut gesagt werden, geht es doch nicht um die Aufgabe von Untersuchungen, sondern um einen personellen Wechsel in der Zusammenarbeit und um mangelndes Vertrauen. Dennoch merke ich auch an vielen Stellen, dass ich mir einiges anders wünschen würde und die Aussenwirkung dann auch zwangsläufig kontraproduktiv ist.
In solchen Situationen wünsche ich mir eine Kirche, die Menschen auf eine zeitgemäße Art und Weise mit Jesus Christus und dem christlichen Glauben in Berührung bringt, die am Puls der Zeit lebt und sich daher beständig die Frage stellt, wie Kirche heute sein muss, wenn sie dazu beitragen will, dass das Leben der Menschen gelingt. Eine Kirche, die lebensnah und authentisch ist, die versucht, den Menschen dort zu begegnen, wo sich das Leben abspielt. Ich träume aber auch von einer Kirche des Amtes, die es der Wahrheit und Einheit wegen immer geben wird, die aber weiß, dass Autorität mit Liebe übersetzt werden muß und das Amt nichts anderes als Dienst meint. Von einer Kirche, die eine anziehende und wärmende Gemeinde ist und jeden einlädt und umschließt, der sich der armen und notleidenden Menschen wegen aufreibt, die das Wunder der Menschwerdung Gottes in vielen Wahrheiten bezeugt und auf vielen Glaubenswegen ausschöpft. Ich träume von einer Kirche, in der Menschen von Jesus Christus fasziniert werden und die Aktualität, die Tiefe und die Relevanz seiner Botschaft begreifen, in der jeder Mensch willkommen ist, in der Barmherzigkeit und Liebe gelebte Werte sind, in der Menschen echte Gemeinschaft erleben.
Wie gehe ich mit diesen Träumen um? Vergleiche ich diese Träume mit der Realität meiner Kirche und sage dann frustriert „Ihr erfüllt nicht meine Erwartungen, also muß ich andere Wege gehen.“ Oder wird mir deutlich, dass bei allen Grenzen, die mir gesetzt sind, diese Kirche auch von mir und meinem Einsatz geprägt wird. Auch ich bin Kirche.
Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer