Meinung der Mehrheit akzeptieren

Zum Thema "Badneubau" erreichte uns folgender Leserbrief:
"Gestörtes Demokratieverständnis? Diese Frage muss man sich seit einiger Zeit stellen, wenn man so manchen Leserbrief in der hiesigen Presse verfolgt. Da kommt der Vorwurf, „dass nicht die Mehrheit der Langenhagener Bürgerinnen und Bürger für ein neues Bad gestimmt hat“, gefolgt von der Ableitung, dass daher das neue Bad nicht gewünscht sei und man doch in Godshorn investieren solle. Welch Demokratieverständnis verbirgt sich denn bitte dahinter. Demokratie heißt doch nicht, einen Abstimmungszwang für alle Bürgerinnen und Bürger einzuführen. Jedem Bürger muss jedoch die Möglichkeit einer Teilhabe am demokratischen Prozess geboten werden. Diese Möglichkeit hatten alle Bürgerinnen und Bürger. Alle waren gar dazu aufgerufen, von Ihrer Stimme Gebrauch zu machen. Die Bürgerbeteiligung war auch außerordentlich groß – meines Wissens gar größer als bei der letzten Kommunalwahl. Die große Mehrheit der abgegebenen Stimmen hat den Neubau befürwortet. Man kann und darf nicht davon ausgehen, dass alle Bürgerinnen und Bürger an einer Wahl oder Bürgerbeteiligung teilnehmen. Und es wäre sicherlich ein Trugschluss davon auszugehen, dass all jene, die nicht von ihrer Stimme Gebrauch gemacht haben, explizit den Gegnern des Badneubaus zugesprochen werden müssen. Viele Bürgerinnen und Bürger sind oder waren das Thema einfach leid – immerhin gab es hierzu bereits viele Umfragen und Ergebnisse. Doch im Gegenteil zum damaligen Bürgerentscheid waren diesmal alle interessierten Bürger/Innen angesprochen. Beim damaligen Bürgerentscheid waren hingegen vor allem jene, die das Bad verhindern wollten, aufgerufen.
Die Bürger haben entschieden – in der Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Das sollten sich auch mal jene Politiker klar machen, die heute ein sehr seltsames Verständnis von Demokratie aufweisen. Wenn ich lesen muss, dass Herr Grundey (CDU) gegen das Bad stimmt und dies unter anderem damit begründet haben soll„ weil er von einer anderen Mehrheit gewählt wurde – damit meint er wohl die Schulenburger Bürgerinnen und Bürger – zeugt dies von zweierlei Dingen: Einerseits davon, wie sehr doch kirchturmpolitisches Denken in den Rat der Stadt Langenhagen Einfluss nimmt und andererseits von einem gewissen Übermut, dem bereits Altkanzler Schröder (SPD) verfallen ist. Auch er dachte wohl damals in der legendären 'Elefantenrunde' er sei von einer anderen Mehrheit gewählt worden. So ließ er sich nach dem Hinweis dass nun wohl die CDU in Form von Frau Merkel die Kanzlerschaft für sich beanspruchen werde, zu dem Satz hinreißen „man solle doch die Kirche im Dorf lassen“. Genauso wie Herr Schröder jedoch seine Niederlage eingestehen musste und Frau Merkel Kanzlerin wurde, genauso sollten auch endlich die Badgegner das Votum der Langenhagener Bürgerinnen und Bürger respektieren und akzeptieren. Wer dazu nicht bereit ist, hat im Rat der Stadt Langenhagen nichts verloren – und sollte meinetwegen weiterhin dort seine Kirchturmpolitik umsetzen, wo sie hingehört - in die Ortschaften!
Bevor mir nun den Vorwurf gemacht wird, dass eine Demokratie auch unterschiedliche Meinungen zulassen und aushalten müsse, sei gesagt, dass ich dies durchaus befürworte. Sachargumente sind es jedoch nicht, wenn allein auf den persönlichen Erfolg (Wahlen) geschaut wird und der ermittelte Wählerwille und das Wohl von Langenhagen diesem untergeordnet werden. Gerade Vertreter der CDU täten in „wulffschen“ Zeiten gut daran ihre persönlichen Interessen und Vorteile hintenanzustellen und im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und der Stadt Langenhagen zu agieren."
Andreas Hafner, Langenhagen