Mit Bolschenpapier fing alles an

Gingen früher oft zum Tanzen: Gretel und Ernst Stamer.
 
Bei Gretel und ihrem Ernst war es Liebe auf den ersten Blick.

Gretel und Ernst Stamer feiern jetzt ihre eiserne Hochzeit

Langenhagen (ok). Er ist in Langenhagen nicht nur durch seine bunten Hemden, sondern vor allen Dingen durch seine Frisierkünste bekannt geworden. Zum Ende seiner Berufstätigkeit war er Besitzer von zehn Salons. Mit seiner Gretel feiert der heute 86-Jährige am 27. Dezember das Fest der eisernen Hochzeit. Eine lange Liebe, die mit einem Bolschenpapier begann. Ernst Stamer erinnert sich noch genau an den Sommer 1952 im Landkreis Lüchow-Dannenberg: "Ich stand im Bus an der Hintertür, da stand draußen ein sehr hübsches Mädel, die auch auf ihren Bus wartete. Ich hatte gerade den letzten Bonbon gegessen, und da stand sie nun, ich konnte gerade noch die leere Bonbonhülle zu ihr werfen und traf sie auch. Wir sahen und uns an, und schon fuhr mein Bus ab." Und dann verschlug es ihm eines Tages die Sprache, als sie vor der Tür des Friseursalons in Bergen/Dumme, wo der junge Geselle arbeitete, stand. Es war Liebe auf den ersten Blick. Schon ein paar Tage später stellte Gretel ihren Ernst den Eltern vor. Nach Feierabend traf sich das junge Paar oft, ging spazieren oder kletterte heimlich durchs Fenster im Schänkhaus, um den Eintritt fürs Tanzen zu sparen. 1953 dann der erste große Einschnitt im Leben der beiden. Ernst Stamer trat eine Stelle bei Lagemann in Langenhagen an. Die zwei wohnten bei Lagemanns Oma in einem möblierten Zimmer. Sie durften die Küche mitbenutzen. Ernst Stamer erinnert sich: "Bei ihr gab es nur einen Ofen, alles andere war kalt." Zwei Jahre haben die beiden dort gewohnt und sich sehr wohl gefühlt. Gretel hatte eine Anstellung bei der Bundesbank gefunden. In der Zeit lernte Ernst Stamer auch seinen langjährigen Freund Rolf Beckert kennen, dem er heute noch die Haare schneidet. Der Firma ist Stamer 13 Jahre lang treu geblieben, bevor er den Weg in die Selbstständigkeit gewagt hat. "60 Jahre habe ich den Beruf ausgeübt und bereue keinen Tag", sagt der Friseurmeister. Seinen ersten Salon in Langenhagen hat er am 1. November 1966 am Fuhrenkamp in Wiesenau eröffnet. Einen sehr großen Salon hatte er dann später im CCL. Stamer: "Während meiner Selbstständigkeit habe ich 150 Auszubildende gehabt." Geheiratet hat Stamer seine Gretel, die als Achtjährige aus Küstrin/Oder vor den Russen geflohen war, am 27. Dezember 1955 in der Elisabethkirche. Tochter Gudrun war damals schon unterwegs, später kam dann noch Tochter Anja dazu. Gudrun starb allerdings schon mit 34 Jahren an einer Herzschwäche. Zur Familie gehört noch die heute 22-jährige Enkeltochter Vivien. Das eiserne Paar lebt heute in einer Wohnung an der Konrad-Adenauer-Straße, nachdem es sein Haus verkauft hatte. Im Urlaub ging es oft nach Sylt, in die Steiermark mit Freunden oder auch mal nach Amerika." Das Ehepaar Stamer erinnert sich gern an die Zeit der erfolgreichen Selbstständigkeit zurück. Stamer, der auch den Berufsfindungsmarkt in Langenhagen ins Leben gerufen hatte, heimste beim Preisfrisieren der Niedersachsenmeisterschaft viele Preise ein. Mit seinen Salons und seinen Frisierkünsten ist er sicherlich vielen Langenhagenrern in Erinnerung geblieben.