Mit Geschirr wohler als mit Sattel

Ingo hält Marita Künnecke manchmal ganz schön auf Trab. (Foto: O. Krebs)

Rückepferd Ingo ackert kräftig im Kananoher Forst

Kaltenweide (ok). Ingo ist neun Jahre alt, wiegt 810 Kilogramm, stammt aus Österreich und kann ein ganz schöner Dickschädel sein. Der Vierbeiner ist ein so genannter Noriker und begleitet die Kaltenweiderin Marita Künnecke fast auf Schritt und Tritt. Sie erzählt im Gespräch mit dem ECHO: "Ich war leidenschaftliche Reiterin und habe mir jetzt ein neues Hobby zugelegt." Ein Hobby, an dem auch ihr Kaltblüter Ingo maßgeblich beteiligt ist. Marita Künnecke hat sich das Pferd kurz vor dem Lockdown zugelegt. Aber nicht zum Reiten, Ingo hat ganz andere Qualitäten. Marita Künnecke setzt ihn beispielsweise im Kananoher Forst als Rückepferd für Brennholz ein. Im norddeutschen Flachland eher seltener, ist diese Art des Arbeitseinsatzes im gebirgigen Süddeutschland häufiger zu finden. Marita Künnecke erzählt: "Im Westerwald, in Süddeutschland oder in der Eifel gibt es sogar Holzrückerkurse." Den hat sie zwar nicht besucht, sich aber ihr Wissen autodidaktisch oder per You Tube und durch die sozialen Medien angeeignet. Sie erinnert sich an die Anfänge: "Kommandos standen im Vordergrund. Es war nicht so leicht, denn Ingo war ziemlich hibbelig." Es sei schwer gewesen, ihr Pferd zum Stehenbleiben zu bewegen. Vor allem beim Holzanhängen müsse der Blick auf den Stamm und nicht auf das Pferd gerichtet sein. Und Ingo kann nicht nur Bäume ziehen, sondern auch Kutschen und sei deshalb das ideale Arbeitspferd. "Mit Geschirr fühlt er sich wohler als mit dem Sattel", sagt Marita Künnecke schmunzelnd. Gezogen wird mit einem speziellen Kummet, damit die Last nicht nur auf wenige Punkte verteilt wird. Das sei so wichtig wie gut sitzende Schuhe bei Menschen. Waldbesitzer Hartmut Gosewisch freut sich darüber, wenn Maschinen nur in Maßen eingesetzt werden. "Das schon den Boden und kommt dann auch dem Gesamtwald zu Gute." 300 bis 400 Kilogramm kann Ingo ziehen  - ein Rückepferd, das noch ganz am Anfang seiner Laufbahn steht. Zum Vergleich: Profipferde schaffen etwa 1.000 Kilogramm und können vier Stunden am Stück arbeiten. Ingo braucht nach etwa drei Stunden eine Pause. Aber Marita Künnecke hat nach der Pandemie noch mehr mit ihm vor, will dann auf sportliche Wettbewerbe mit ihm gehen. "Da geht es dann nach Richtzeit und Fehlerpunkten", sagt die Kaltenweiderin. Und dann werden einmal mehr Kommandos wie "wiest" für links, "hott" für rechts, "komm" und "brrr" auf dem Reitplatz erklingen. Wer mehr erfahren möchte, kann sich gern unter ingo.holzruecken@gmail.com melden.