Mit Vorliebe Karten gespielt

Die Familie vereint (hinten): Sohn Peter Kutilek und Tochter Angelika Seiert; vorn das eiserne Ehepaar Kutilek.Foto: D. Lange

Eiserne Hochzeit von Berta und Karl Kutilek

Langenhagen (dl). Gerade mal ein Jahr nach dem Krieg, am 11. Juli vor 65 Jahren, haben Berta und Karl Kutilek geheiratet, bevor sie dann 1947 ihre Heimat in der ehemaligen Tschechoslowakei, etwa 60 Kilometer südlich von Dresden, verlassen mussten. Beide sind dort geboren, Berta 1920 als älteste von sechs Geschwistern und Karl, dem man bei einigen Vokabeln noch heute den böhmischen Dialekt mit sächsischer Einfärbung anhört, war 1924 der älteste von sieben Geschwistern. Beide waren dennoch Zeit ihres Lebens deutsche Staatsbürger. Vor der Flucht hatten sie schnell noch ein Großteil ihres Hab und Guts verkaufen müssen, weil sie nichts mitnehmen konnten. Über Umwege führte sie der Weg nach Salzgitter, wo Karl Kutilek als Schlosser im Waggonbau Arbeit fand. 1949 kam der Sohn zur Welt und 1954 die Tochter. Später zog die Familie nach Garbsen, wo Berta Kutilek als Verkäuferin im Lebensmitteleinzelhandel arbeitete und ihr Ehemann war bei den Stadtwerken Hannover im Heizkraftwerk Linden. Heute wohnt das Paar seit fünf Jahren im Seniorenheim in der Bachstraße in Wiesenau. „Wir haben vorher noch zehn Jahre lang in der Pfarrstraße in Ricklingen gewohnt“, erzählt der 85jährige Ehemann, „aber meine Frau wurde schwer krank und sie konnte dann nicht mehr dort wohnen bleiben und weil ich sie nicht allein lassen wollte, haben wir die Wohnung aufgegeben und wohnen jetzt beide hier, wo meine Frau besser betreut werden kann. Heute geht es ihr sehr gut hier, aber für mich war es schwer, die Wohnung aufzugeben." Beide Eheleute sind in ihrem Leben von schweren Krankheiten nicht verschont geblieben, aber sie erinnern sich auch gerne an die alten Zeiten, wo sie mit dem Auto viele Urlaubsreisen zusammen mit den Kindern gemacht haben. In den Harz zum Schilaufen, an die Nord- und Ostsee und einige Male nach Österreich. Karl Kutilek hat gerne viel fotografiert und außerdem genau Buch geführt und aufgeschrieben, welche Autos sie in ihrem Leben hatten. Vom Käfer über Opel Kadett, Opel Olympia und Rekord und noch einige andere und zuletzt einen Audi. Bei den Reisen, aber natürlich auch zu Hause wurde bei den Kutileks mit Vorliebe Karten gespielt. Zu zweit und auch mit den Kindern und Enkeln. Für das leibliche Wohl der Familie war in der Regel die Mutter zuständig, die mit Vorliebe Frikadellen, Schnitzel und natürlich Knödel auf den Tisch brachte.
Herzhafte Kost eben.