Mit „Wuppi“ haben sie flott gekegelt

Auch nach 65 Jahren noch ein Herz und eine Seele: Gundula und Siegfried Wiener. (Foto: O. Krebs)
 
Haben sich in Stolzenau das Ja-Wort gegeben: das eiserne Ehepaar mit den Blumenkindern.

Gundula und Siegfried Wiener feiern jetzt das Fest der eisernen Hochzeit

Langenhagen (ok). Er ist sich auch nach 65 Jahren Ehe sicher, die fünf Mark „Bullengeld“ waren eine sehr gute Investition. Zahlen musste sie der junge Siegfried Wiener – heute 86 Jahre alt – 1952 aus Landesbergen an die Jungs aus Stolzenau, weil er mit der zwei Jahre jüngeren Gundula aus dem Ort angebändelt hatte. Dabei hatte er auf einem Schützenfest zuerst eigentlich ein anderes Mädchen im Auge gehabt, war dann aber Feuer und Flamme für Gundula, die damals noch Wähler hieß. Die zwei waren mit ihren Eltern als Kriegsflüchtlinge aus Pommern und Niederschlesien an die Weser gekommen. „Wir kannten uns damals im Flecken untereinander, waren eine tolle Clique“, erinnert sich Gundula Wiener noch gern an die schöne Zeit und ihr Siegfried nickt zustimmend.
Nur Arbeit gab es in der ländlichen Region kaum, und so hat sich Siegfried im Großraum Hannover Arbeit gesucht. Und bei der Firma „Witt Gas- und Industrierohrbau“ in Langenhagen auch gefunden. 45 Jahre lang bis zur Rente hat er in dem mittelständischen Unternehmen „Am Mühlenfeld“ gearbeitet, drei davon allerdings nur am Standort. „In der übrigen Zeit war ich auf Montage, zuletzt in Potsdam.“ Am Rande Berlins war seine Frau mit dabei, die zu der Zeit schon in Rente war. Gelebt hat das Ehepaar in einem Wohnwagen, den Siegfried immer zu den einzelnen Montage-Orten mitgenommen und sich so die Wohnung gespart hat. „Zwei Wochen war ich mit meinem Mann unterwegs, eine Woche zu Hause und eine Woche bei meiner Mutter in Stolzenau“, erinnert sich Gundula Wiener noch gut. Als die beiden Kinder noch zu Hause war musste sie in der Woche allerdings alles allein wuppen: Erziehung, Haushalt und auch den Job, denn auch Gundula Wiener hat 35 Jahre lang gearbeitet und dabei viele Erfahrungen gemacht: Sie war in einer Verbandstofffabrik in Stolzenau, in der Fleischindustrie am „Alten Flughafen“, hat bei der Post geputzt und zuletzt 20 Jahre bei Bahlsen gearbeitet. Der Weg zur Arbeit war da kurz, denn schon seit 1959 wohnt das eiserne Paar, das sich am 8. Oktober 1955 in Stolzenau das Ja-Wort gegeben hat, in der Kopernikusstraße.
Wenn freie Zeit blieb, sind die Wieners gern verreist: nach Dänemark, ins ehemalige Jugoslawien und auch in die USA, wo der gemeinsame Sohn mit seiner Familie lebt. Ihre Tochter ist vor einigen Jahren verstorben, ihre beiden Enkel aus den Niederlanden und auch die drei Urenkel werden auch zur eisernen Hochzeitsfeier kommen. Die wird wegen Corona relativ klein mit einem gemeinsamen Essen ausfallen, die diamantene Hochzeit vor fünf Jahren haben sie noch beim SCL gefeiert. Die Räume dort kennen die beiden gut, haben sie dort doch schließlich 30 Jahre lang mit ihrem Verein „Wuppi“ gekegelt. Als der Kegelverein dann aufgelöst worden ist, hat sich die lustige Runde aufs Kartenspiel „Schwimmen“ kassiert. „Aber immer um Geld, und dann sind wir schön davon essen gegangen“, sagt das eiserne Paar unisono. Sie seien überhaupt viel unterwegs gewesen, hätten viel getanzt, und Gundula Wiener hat viel Sport von Leichtathletik über Schwimmen bis hin zu Yoga betrieben. „Ich hatte immer eine Eins in Sport in der Schule“, sagt sie stolz. Heute lassen sie es ruhiger angehen: Gundula löst gern Kreuzworträtsel, und Siegfried verschlingt Wild-West-Romane; jeden Sonnabend kauft er drei am Kiosk. „Wenn ich sie ausgelesen habe, schicke ich sie meinem Bruder per Post. Meine Schwägerin schimpft dann, weil er nichts anderes mehr macht“, sagt er lachend. Ein Training für den Geist, mit dem den zwei auch in den nächsten gemeinsamen Jahren nie langweilig wird.