„Musik und Wort werden Kalligraphie“

Yuriko Ashino war zur Ausstellungseröffnung extra aus Japan angereist.Foto: D. Lange

Eine Ausstellung der japanischen Künstlerin Yuriko Ashino

Krähenwinkel (dl). Noch bis zum 27. Mai ist in der Matthias-Claudius-Kirche in Krähenwinkel eine ganz besondere Kunstausstellung zu sehen. Gezeigt werden dort Werke der japanischen Künstlerin Yuriko Ashino, die es versteht, inspiriert von Werken der geistlichen Musik, das Wesen von Psalmen und Kantaten in ihren kalligraphischen Arbeiten auszudrücken. Die Kalligraphie beschreibt in der abendländischen und auch in der muslimischen Kulturgeschichte das Abschreiben sakraler Texte, das dadurch selbst zu einem sakralen Vorgang wird. Die Präzision der Schrift in Verbindung mit kraftvollen Farben unter dem Schriftbild lassen Bilder von einer besonderen Ästhetik entstehen, in denen Yuriko Ashino ihr bereits früh geschultes Musikempfinden zum Ausdruck bringt. Somit schaffen ihre Bilder eine Visualisierung geistlicher Musik wie der h-moll-Messe von Johann Sebastian Bach, der Matthäus-Passion oder dem Weihnachtsoratorium. Und nicht nur das. Gleichzeitig stellt sie in ihren Werken auch eine Verbindung her zwischen der abendländischen und der asiatischen Kultur. Auf der einen Seite stehen die Lesbarkeit der Texte und die bildliche Darstellung im Vordergrund und in der asiatischen Kultur bestimmt die ästhetische Ausgewogenheit und der Gesamteindruck die Kunst der Kalligraphie. Eine solch künstlerische Verbindung zweier Kulturen ist für Yuriko Ashino schon sehr früh ein Teil ihres Lebens. Sie lernt als Kind das Klavierspielen, erhält Sprachunterricht in Latein, Englisch und Deutsch und sie tritt mit 18 Jahren dem Heinrich Schütz Chor in Tokio bei, wo sie Werke geistlicher Musik in deutscher Sprache interpretiert. Seit 1993 beschäftigt sie sich intensiv mit der künstlerisch gestalteten Schrift unter Verwendung kulturgeschichtlicher Handwerkszeuge wie Federn, Pinsel und Bambusstiften. Seit dieser Zeit gestaltet sie als freie Künstlerin Ausstellungen in Deutschland und Japan. Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag sang die Sopranistin Martina Petersen, die sich ihrerseits von Bildern für ihre Musik inspirieren ließ, im anschließenden Gottesdienst einige der von Yuriko Ashino verbildlichten Kantaten. Somit schließt sich für den Künstler wie für den Betrachter ein Kreis, der von der Musik über das Bild zurück zur Musik führt und steht damit für die Wechselwirkung von Kunst und Kreativität. Zur Eröffnung ihrer Ausstellung in der Matthias-Claudius-Kirche kam die Künstlerin mit ihrem Mann extra aus Japan angereist. Was, wie sie sagt, „immer ein langer Weg ist. Allein elf Stunden Flug von Tokio nach München oder Frankfurt, und der Flug von Japan nach Deutschland ist immer teurer als der von Deutschland nach Japan."
Die Bilder sind noch bis zum 27. Mai mittwochs von 16 bis 18 Uhr in der Matthias-Claudius-Kirche zu sehen. Auf telefonische Anfrage auch zu anderen Zeiten unter der Telefonnummer (0511) 73 89 54 bei Kirchenvorsteher Reinhard Brendel.