Nach kurzer Zeitlinie wird es konkret

Medizin Mobil: Am Straßburger Platz wird am Montag geimpft

Langenhagen. Die Pflegeheime der Stadt und Region Hannover hatten bis Dienstag um 15 Uhr Zeit, die Anzahl der impfwilligen Bewohner und Mitarbeiter den jeweiligen Heimaufsichten zu melden. 24 Stunden vorher, am Montagnachmittag, kam erst die Aufforderung hierzu. „Es war eine sehr kurze Zeitlinie in einem denkbar schlechten Moment zwischen den Jahren. Aber unsere Einrichtungsleitungen haben dies geahnt und extra keinen Urlaub genommen.“ sagt Aleksandr Vogelsang, geschäftsführender Gesellschafter der Medizin Mobil Gruppe. „Dadurch konnten wir alle Bewohner und Mitarbeiter der Pflegeeinrichtungen ansprechen.“ In der Medizin Mobil Haus Bodestraße, dem Pflegeheim in Hannovers Nordstadt, werden sich am Sonntag, 3. Januar,  etwa 90 Bewohner und 37 MitarbeiterInnen impfen lassen.
Am Montag, 4. Januar,  folgen die Hausgemeinschaften am Straßburger Platz. Dort werden 80 Bewohner und 20 Mitarbeiter geimpft.
„Wir haben zwar bereits am 23. Dezember  erste Informationen von den Behörden erhalten. Diese waren aber noch rudimentär und ohne einen konkreten Zeitplan.“ führt Vogelsang aus.
„Wir freuen uns sehr, dass es nun konkret wird und wir zu den ersten gehören werden, zu denen die mobilen Impfteams kommen. Wir hoffen auf einen reibungslosen Ablauf.
Für uns ist es aber skurril, dass unsere insgesamt 86 Bewohner des Betreuten Wohnens, von denen 34 in der Bodestraße und 52 am Straßburger Platz – jeweils im selben Gebäude sowie die Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste nicht geimpft werden dürfen. Gäbe es dort einen Covid-Ausbruch, wäre dennoch das gesamte Haus inkllusive etwaiger Besuchsverbote betroffen.“ so Vogelsang. „Dies stößt natürlich auch bei den Bewohnern des Betreuten Wohnens und bei deren Angehörigen auf großes Unverständnis. Zumal viele der Bewohner ebenfalls über 80 Jahre alt und multimorbid sind.“
Ferner sei noch offen, was mit den äußerst zeitaufwändigen Schnelltests und anderen Hygienemaßnahmen, etwa den reduzierten Gruppenbeschäftigungsangeboten passiere. „Natürlich wollen wir alle zurück zur Normalität. Wenn wir schon das - wenn auch geringe- Risiko der Impfung auf uns nehmen, wollen wir wieder etwas vom Alltag zurückgewinnen. Müssen wir noch die Schnelltests, die nur durch Überstunden unserer eh schon belasteten Pflegekräfte aufrechterhalten werden, noch in Angriff nehmen?“ sagt Vogelsang. Hier bleibe abzuwarten, ob die Politik nachjustieren werde. Bisher sei keine Änderung avisiert.
„Auch wundert es uns, dass Deutschland mit Biontech auf der einen Seite der weltgrößte Hersteller des Impfstoffes ist, inklusive der Herstellung im eigenen Land. Die eigene Bevölkerung soll den Impfstoff aber dennoch nur rationiert und zeitverzögert erhalten. Dies mag zwar vielleicht der europa- und weltweiten Verteilungsethik Genüge tun. Es ist aber trotzdem unseren betroffenen Bewohnern und Patienten schwer nahezubringen. Zumal die Politik sich zu dieser Thematik ausschweigt", schließt Vogelsang sein Resümee ab.