"Neue Nazis" im veränderten Gewand

Der hannoversche Bürgermeister Bernd Strauch forderte "alle gesellschaftliche Kräfte" auf, sich gegen Antisemitismus und Rechte Gewalt zu stellen.

Gedenkveranstaltung des Aktionsbündnisses "Langenhagener gegen Rechte Gewalt"

Langenhagen. Das Aktionsbündnis „Langenhagener gegen Rechte Gewalt“ hat zum 67. Jahrestag der Zerstörung des Frauen-Konzentrationslagers Langenhagen eine Gedenkveranstaltung organisiert. Mit dem hannoverschen Bürgermeister Bernd Strauch und Friedhelm Fischer, Bürgermeister der Stadt Langenhagen, gedachten fast 40 Bürger aus Hannover und Langenhagen am Mahnmal des Konzentrationslagers den Opfern des Nationalsozialismus und speziell der Frauen aus dem Konzentrationslager Langenhagen. Der Chor des DGB Hannover gab der Veranstaltung einen musikalischen Rahmen. „Es ist eine historische Verpflichtung aus der Langenhagener Stadtgeschichte, dem hier geschehenen Unrecht zu gedenken“, sagte Marco Brunotte vom Aktionsbündnisses „Langenhagener gegen Rechte Gewalt“ zur Begrüßung. Seit Einweihung des Mahnmals am 8. Mai 2003 organisiert das Aktionsbündnis eine jährliche Gedenkveranstaltung.
Im Oktober 1944 wurde das KZ im Gewerbegebiet „Brinker Hafen“ an der Hackethalstrasse errichtet. 500 polnische Zwangsarbeiterinnen, die während des Warschauer Aufstands interniert wurden, mussten hier für die Brinker Eisenwerke in der Rüstungsproduktion arbeiten. Das damals auf Langenhagener Stadtgebiet gelegene Konzentrationslager wurde am 6. Januar 1945 durch einen alliierten Bombenangriff zerstört und danach von den Nazis geräumt.
Bernd Strauch forderte: „Mit Blick auf die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte müssen wir in der Gegenwart handeln. Deshalb müssen wir uns aktiv gegen Rechte Gewalt und Antisemitismus stellen.“ Hierzu seien "alle gesellschaftlichen Kräfte" gefordert. Besondere Sorge bereitet dem hannoverschen Bürgermeister, dass die „neuen Nazis“ im veränderten Gewand aufträten. „Sie verteilen ihre Hetze mit ihren Zeitungen an unseren Schulen, nutzen die neuen Medien für ihren Hass auf alles Fremde und verbreiten ein Klima der Angst“, sagte Strauch zu aktuellen Vorfällen in Hannover, „diese Tendenzen sind eine Herausforderung für alle Demokraten, die wir annehmen.“
„Es ist wichtig, dass wir die Erinnerung an die Verbrechen und Unmenschlichkeit im Nationalsozialismus aufrecht halten“, sagte Friedhelm Fischer und bedankte sich beim Aktionsbündnis „Langenhagener gegen Rechte Gewalt“ für die jährliche Organisation der Gedenkveranstaltung. Die bekanntgewordenen Ereignisse um die sogenannte „Zwickauer Zelle“ des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) hätten gezeigt, dass die Gesellschaft immer wieder wachsam sein müsse. Langenhagen habe deshalb eine präventive Kinder- und Jugendarbeit aufgebaut, die Neonazis den Nachwuchs nehme und positive Demokratieerfahrungen fördere. Gemeinsam legten Bernd Strauch und Friedhelm Fischer mit den Anwesenden zum Gedenken Blumen am Mahnmal nieder.