Neues Leben, wo einst Panzer fuhren

Ortstermin auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Kugelfangtrift. Naturschutzexperten begutachten Maßnahmen zum Erhalt bedrohter Amphibien wie der Kreuzkröte und der Zauneidechse auf dem Gelände. Foto: D. Lange

Wertvolle Lebensräume für Kröten und Echsen auf ehemaligem Truppenübungsplatz Kugelfangtrift

Langenhagen/Hannover (dl). Es klingt kurios: Nicht nur, dass auf dem einstigen Truppenübungsplatz an der Kugelfangtrift mit dem angrenzenden ehemaligen Segelflugplatz am nördlichen Stadtrand von Vahrenheide neue Lebensräume für Erd- und Kreuzkröten oder Zauneidechsen entstanden sind. Die Panzerbewegungen seinerzeit haben diesen Zustand sogar erst möglich gemacht, indem sie immer wieder offene Sandflächen für seltene Pflanzen- und Tierarten geschaffen haben. Die vom Aussterben bedrohte Kreuzkröte braucht zwar regelmäßig austrocknende Kleingewässer oder Pfützen zum Laichen, mag es ansonsten aber sandig und trocken. Hinzu kommt, dass das Gebiet, welches seit 2000 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, durch die Nutzung als Militärgelände jahrzehntelang vor Bebauung oder Landwirtschaft bewahrt und somit auch nie gedüngt wurde. Beeinträchtigt wurde dieser Zustand im Laufe der Zeit allerdings durch schnellwachsende Birken, Erlen und Weiden sowie anderer Sträucher. Das Gebiet mit seiner nur noch geringen Kreuzkröten-Population von weniger als 50 Tieren gilt als letztes Vorkommen seiner Art in Hannover. Im Raum Langenhagen sei die Kreuzkröte seit 2005 bereits ausgestorben, berichtete Ricky Stankewitz vom NABU Langenhagen. Die Kreuzkröte ist die kleinste echte Krötenart und besiedelt als Pionierart trockene, warme Landlebensräume mit spärlicher Vegetation und offenen Sandflächen. Aber auch sich selbst überlassene Auenlandschaften, die gelegntlich überschwemmt werden oder Flussdeltas sind bevorzugte Lebensräume der Amphibien. Leider werden diese Landschaften aber immer seltener. Im Rahmen des von der EU geförderten Life-Programms „Atlantische Sandlandschaften“ zum Erhalt der biologischen Vielfalt wurden die vorhandenen Laichgewässer auf dem ehemaligen Militärgelände mit einem Kostenaufwand von rund 20 000 € vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Flächeneigentümerin im Hinblick auf die Habitatansprüche der bedrohten Tierarten wieder freigelegt. Bäume und Sträucher wurden entfernt und Totholzhaufen im Umfeld der Gewässer errichtet als Lebensraum und Winterquartier für die ebenfalls gefährdete Zauneidechse. „Arbeiten, die periodisch wiederholt werden sollten“, erklärt Thomas Kutter vom NLWKN, „Man kann das nicht einmal machen und dann vergessen. Da spielt die Natur nicht mit.“ Kutter kann sich allerdings eine Beweidung des Geländes an der Kugelfangtrift mit Schafen oder Rindern vorstellen. „Das ist aber bisher nicht mehr als eine Überlegung, da sind noch viele Gespräche nötig bis zu einer möglichen Umsetzung des Vorhabens“.Reiner Scharte von der Bundesforstverwaltung stellt fest, dass das Gebiet überwiegend aus eisenhaltigem Sandboden besteht, wodurch das Wasser in den kleinen Tümpeln und Pfützen, die ausschließlich von Regenwasser gespeist werden, nur langsam versickern kann.