Nicht mehr wie bei Pumuckl und Meister Eder

Kirche trifft Handwerk (von links): Tischlermeister Werner Bohne mit seiner Tochter Gabriela Bohne und dem Superintendenten Martin Bergau.

Kirche und Handwerk: "Der Mittelstand hat keine Lobby"

Krähenwinkel. Er wäre wohl ein schlechter Tischler geworden. Mit einem schmunzelnden Blick auf seine eigenen handwerklichen Talente, begrüßte Superintendent Martin Bergau am vergangenen Sonnabend die zahlreichen Gäste in der Tischlerei Bohne in Krähenwinkel. Der Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen hatte zu seiner beliebten Veranstaltungsreihe „Kirche trifft“ eingeladen und unter dem Motto „Wo gehobelt wird – da gibt es Pläne!“ drehte sich am Nachmittag alles um das Handwerk. Betriebsinhaberin Gabriela Bohne freute sich über die sehr gute Auftragslage, gab allerdings auch zu bedenken, dass die Qualität der Lehrlinge nachlassen würde und der Trend immer mehr in Richtung Kunststoff gehen würde. Dem konnte Brigitta Ehlers-Staack von „Tischlernord“ beipflichten. „Ich habe mich in dem Interview mit Freu Bohne wiedergefunden! Ebenso wie sie komme ich aus einer Tischlerfamilie.“ Für Jugendliche sei das Handwerk wenig attraktiv, nur 51 Prozent würden den Begriff Handwerk mit moderner Technik verbinden, außerdem sei es in den Augen der jungen Menschen schlecht bezahlt. Dem sollen seit einiger Zeit verstärkt Imagekampagnen entgegenwirken. Noch würden zwar keine Ausbildungsplätze frei bleiben, aber „wir befürchten in den nächsten Jahren Einbrüche bis zu 15 Prozent." Nach der Pause blickte Oberstudienrat Herrmann Bentlage von der BBS Springe auf die Tischlerausbildung im Wandel der Zeiten zurück. „Früher fühlte man sich beim Betreten einer Tischlerei tatsächlich wie bei Pumuckl und seinem Meister Eder. Heutzutage gibt es für alles Qualitätsvorschriften, die viel mehr Sicherheit bewirken.“ Die Zahl der Unfälle sei deshalb erheblich zurückgegangen. Im 19. Jahrhundert musste der Lehrling für seine Ausbildung bezahlen und während die Arbeitszeiten heute gesetzlich geregelt sind, galt damals: Der Lehrling hatte jeden zweiten Sonntag sowie für die sonntäglichen Gottesdienst frei, ansonsten musste er jederzeit bereitstehen. Damals hätten die Auszubildende in den Betrieben gelebt und wurden dort erzogen, heute sei unsere Welt viel komplexer geworden. „Wir dürfen Bildung und Kinder nicht versaubeuteln! Deutschen Tischlern steht die Welt offen, die Ausbildung hier ist ein Erfolgsmodell“, appellierte Bentlage. Insbesondere Haupt- und Realschüler müssten für technische Berufe begeistert werden. „Wir müssen die Kinder da abholen, wo sie sind.“ Dass viele Ausbildungsbetriebe unter der Qualität der Bewerber litten, erzählte auch Susanne Schott-Lemmer, Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Hilfsvereins Hannover. „Manchmal kommen Bewerbungen, in denen kein Satz fehlerfrei geschrieben wurde. Viele Jugendliche wissen gar nicht, was sie werden wollen.“ Insbesondere Handwerksbetriebe würden Krisen ganz schnell merken: „Billiganbieter, Schwarzarbeit, europaweite Ausschreibungen, schlechte Zahlungsmoral und vieles mehr, das sind die Probleme." Beim Mittelstand gäbe es in Deutschland die meisten Arbeitsplätze, aber „leider hat er keine Lobby. Wir müssen entbürokratisieren“, betonte die ehemalige Langenhagener Bürgermeisterin. „Wertschätzung für Arbeit und Ausbildung“ forderte Walter Punke, Pastor für Kirche und Handwerk, in seinen Schlussworten.