Nicht nur körperlich, auch verbal und subtil

Farid übt nicht nur mit seinem Messer Druck auf Kim aus.Foto: O. Krebs

Siebtklässler mit Mobbing im Theaterstück konfrontiert

Langenhagen (ok). Mobbing kann viele Facetten haben – das wurde deutlich beim halbstündigen Theaterstück der Kulturschule Leipzig mit dem Titel "Weggeschaut ist mitgemacht". Die beiden Schauspieler Daniela Frese und Günther Keilhauer waren auf Einladung des Präventionsausschusses nach Langenhagen gekommen, um den Siebtklässlern des Gymnasiums das sensible Thema plastisch näherzubringen. Und das ist ihnen sicher gelungen, immer wieder bezogen sie die Schülerinnen und Schüler in das Stück mit ein, arbeiteten die verschiedenen Charaktere in der Story um Kim, der es schwer an seiner neuen Schule hat, heraus. Farid und Niklas machen Kim das Leben Hölle, genauso wie Marvin an seiner alten Schule. Und das Schlimme: Seine Eltern haben kein Ohr für seine Sorgen und Nöte, sein Vater interessiert sich als ehrenamtlicher Trainer nur für Fußball. Von ihm hört er nur: "Setz' dich durch, zeig' Ellenbogen und Körperkontakt!" Kim verzweifelt: "Mir hört doch nie jemand zu!" Oder ist es vielleicht sogar falsch zu den Eltern zu rennen, gilt das als petzen. In seiner alten Schule hat sich Kim von Marvin erpressen lassen, hat mit niemandem gesprochen, um nicht als Mamasöhnchen zu gelten: Und dann ist da noch Farids Freund Niklas, der ihn vor seiner neuen Flamme als den größten Looser darstellen wollte, weil er selbst in das Mädchen verknallt ist. Zum Schluss des Theaterstücks eskaliert die Situation – Kim bedroht Farid mit dessen Messer, das er ihm entwendet hat und muss die Konsequenzen tragen: Verweis von der Schule, Arbeitsstunden und Ausschluss aus dem Fußballverein, während Farid, der eigentliche Täter, schnell die Opferrolle angenommen hat.
In der anschließenden Diskussion schilderten die Siebtklässlerinnen und Siebtklässler ähnliche Situationen, die sie schon einmal durchlebt hatten, waren der Einsicht, dass Mobbing nicht immer nur mit körperlicher Gewalt ablaufen muss, sondern durchaus auch verbal und subtil vonstatten gehen kann. Auseinander drifteten die Meinungen bei der Frage, ob die Eltern eingeschaltet werden sollten. Einige waren der Ansicht, dass Vater und Mutter zu alt seien und ohnehin kein Verständnis hätten, andere wiederum fanden, dass die Eltern durchaus beratend und helfend zur Seite stehen könnten. Übereinstimmung herrschte dagegen bei der Aussage, dass Mobbing nur funktioniere, wenn das Opfer stillhalte, und dass es auch klassische Opfertypen gebe. Beispielsweise den sehr guten oder auch sehr schlechten Schüler, den ohne Selbstvertrauen, ohne Markenklamotten oder auch den Ausländer oder Andersdenken. Aber: "Jeder hat irgendetwas Besonderes an sich, das sollte man schätzen. Im Endeffekt kommt es auf den Charakter und die inneren Werte an", so das abschließende Fazit der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten.