Noch gut drauf und geistig fit

Lernten sich beim Tanzen in der Petersburg kennen: Ingrid und Hugo Zerbach. (Foto: S. Hartung)
 
Das diamantene Paar heiratete im Januar mit der Aussicht auf eine eigene Wohnung.

Diamantene Hochzeit bei Ingrid und Hugo Zerbach

Langenhagen. Wer tanzen konnte, war klar im Vorteil. „Ich habe gern getanzt. Männer, die das nicht konnten, wurden von mir abgeschoben“, sagt Ingrid Zerbach und lacht. Ende der Fünfzigerjahre hieß sie mit Nachnamen noch Diedler, als sie mit Freundinnen in der Petersburg nahe dem Flughafen zu Gast war. Die Petersburg war ein Tanzlokal – beinahe schon selbstredend, dass die junge Frau damals Stammgast war.
So auch im Sommer 1959, als Hugo Zerbach mit Fußballfreunden dort den Abend verbrachte. „Er hat mich aufgefordert. Und ich habe gleich gemerkt, dass er tanzen konnte“, erinnert sich die heute 82-Jährige mit einem Augenzwinkern. Ihre Bekanntschaft kam in Schwung. Am 21. Januar 1961 tanzten sie erneut – auf der eigenen Hochzeit. Damit sind die Zerbachs jetzt 60 Jahre verheiratet und haben jetzt diamantene Hochzeit gefeiert.
Neuneinhalb Monate nach der Eheschließung in Godshorn kam Sohn Thomas zur Welt. „Natürlich wissen wir es nicht genau. Aber vielleicht wurde er in der Hochzeitsnacht gezeugt“, sagt der nunmehr 84-jährige Hugo Zerbach und lacht verschmitzt. Man merkt: die Eheleute sind auch heute noch gut drauf und geistig fit.
Der ungewöhnliche Hochzeitstermin im Januar lag darin begründet, dass das junge Paar die Aussicht auf eine Wohnung besaß. Sie mieteten sich in Hannovers Nordstadt ein – unverheiratet hätten sie keine Chance gehabt. Zwei Jahre später zogen sie nach Langenhagen, wo sie bis heute leben. Gut für Ingrid Zerbach, ist sie doch so ihrer alten Heimat Godshorn näher.
Denn hier endete ihre Flucht 1945. Sie stammt aus Breslau, von Schlesien ging es mit der Mutter und zwei Geschwistern gen Westen. Über Land, mit dem Zug, zu Fuß. Endstation war eine Flüchtlingsunterkunft in Godshorn. Hugo Zerbach wuchs in Hannover-Vahrenwald auf. Dass er später den Godshorner Jungs ein Mädchen ausspannte, musste er sich oft anhören. „Damals wurde gesagt: ,Unsere Hühner können wir selbst treten‘“, berichtet er lachend.
Das Treten war dennoch sein Leben lang ein Hobby – das Treten gegen den Ball. „Fußball ist bis heute meine große Leidenschaft.“ Selbst spielte der mittlerweile 84-Jährige überwiegend bei Borussia Hannover, wo er Ehrenmitglied ist, aber auch bei den Sportfreunden Ricklingen und beim SV Arminia Hannover. 1954 und 1955 kickte er für Arminia in der Oberliga, der vor Einführung der Bundesliga noch höchsten deutschen Spielklasse. Und das alles mit Profivertrag. „Ich habe damals 320 Mark monatlich verdient.“
Anders als heute reichte das professionelle Kicken längst nicht aus, um davon zu leben. Hugo Zerbach arbeitete 40 Jahre für Continental im EDV-Bereich. Für einen anderen Traditionsbetrieb, zumindest in Langenhagen und Godshorn, war seine Frau tätig: Die gelernte Zahnarzthelferin arbeitete für die Buch- und Schreibwarenhandlung Frommeyer. „Dort habe ich oft angerufen, um mich mit ihr zu verabreden“, erinnert sich Hugo Zerbach.
Die Zerbachs sind heute dreifache Großeltern. Ihre Urlaube haben sie gern in Spanien verbracht, an der Costa Blanca besaßen sie sogar ein Ferienhaus. Wegen Corona gibt es zur diamantenen Hochzeit keine große Feier – jedoch eine Überraschung. Die Schwiegertochter hat ein leckeres Essen gezaubert, Sohn Thomas bringt es heute vorbei.