Noch keineswegs die berühmte Koryphäe

Eine Straße in der Flughafenstadt trägt den Namen des später weltbekannten Bakteriologen. (Foto: O. Krebs)

Robert Koch wirkte nur zwei Jahre lang in Langenhagen

Langenhagen (ok). Robert Koch – sein Name ist zurzeit jeden Tag in den Medien zu lesen und zu hören. Stadtheimatpfleger Hans-Jürgen Jagau gibt einige Erläuterungen zu einem vermeintlich sehr berühmten Sohn der Stadt: „Sein Name ist in Corona-Zeiten in aller Munde, nicht zuletzt wegen des Institutes, das nach ihm benannt ist. Nur: Bis auf die Schule und die Straße, die nach ihm benannt sind, hat Robert Koch wenig mit Langenhagen zu tun. Der später hochberühmte und mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Arzt hat in der Flughafenstadt von 1866 bis 1868 nur kurz an der 1862 gegründeten „Heil- und Pflegeanstalt für geistesschwache und blödsinnige Kinder“ gewirkt. Aus der damaligen „Acta betr Comissionierung eines zweiten Arztes in Langenhagen“ geht hervor, dass Herrn Dr. med. Heinrich Hermann Robert Koch hiermit gestattet werde, zur Ausübung der ärztlichen und wundärztlichen Praxis einschließlich der Geburtshilfe in Langenhagen seinen Wohnsitz zu nehmen. Allerdings geht aus einem „Schreiben der Landdrosterei an das Ober-Medicinal-Collegium v. 13. September 1866“ hervor, dass Robert Koch damals noch keineswegs als die berühmte Koryphäe angesehen wurde: „der Dr. med. Koch aus Clausthal der einzige Bewerber nach der öffentlichen Ausschreibung ist. Falls kein anderer besser geeigneter Bewerber gefunden wird, bittet man diesen Arzt zu kommissionieren.“
Warum Dr. Koch nicht lange blieb, kann man in der lesenswerten Homepage zur Psychiatrie in KRH nachlesen. Hier ein Auszug:
Robert Koch schrieb am 26. Mai 1868 diesbezüglich an seinen Vater:
"An der Anstalt war man gezwungen, Ersparungen zu machen, und muthete mir daher einen be- deutenden Abzug an meinem Gehalte zu; natürlich ging ich darauf nicht ein, und die Folge davon war, dass man einen neuen Direktor anstellt, der zugleich Arzt ist, und mir dagegen gekündigt werden soll; ich verliere damit nicht allein den Gehalt von der Anstalt, sondern erhalte dadurch einen zweiten Concurrenten. Für einen Arzt würde die Praxis in Langenhagen recht passend sein, aber für zwei Ärzte ist sie zu klein, und da ich derjenige bin, welcher kein Vermögen und keinen festen Gehalt hat, so muss ich wohl weichen; ich tue dies nicht (...) ungern, da es augenblicklich an Ärzten mangelt und die schönsten Stellen vielfach ausgeschrieben werden."
Am 25. Juni 1868 gab er so seine Tätigkeit in Langenhagen auf und ließ sich im ostdeutschen Braetz nieder.
Da die sogenannte „Anstalt“, wie alte Langenhagener wissen, stets als exterritoriale Einrichtung zu Hannover gehörte, hatte das kleine Dorf Langenhagen keinerlei Einfluss auf Kommen und Gehen dieses Mediziners. Anteil an seinem späteren Ruhm als „Entdecker“ pathogener Bakterien ebenso wenig.“