Ortsname mit 400-jähriger Tradition

Sie organisieren das Festjahr (von links): Horst Waldfried, Gabriele Spier, Reinhard Brendel, Andreas Hartfiel und Hannes Milatz. Foto: K.Raap

Krähenwinkel plant Festjahr mit sieben großen Veranstaltungen

Krähenwinkel (kr). Mit insgesamt sieben Veranstaltungen feiert die Ortschaft Krähenwinkel in diesem Jahr die erstmalige Erwähnung des heutigen Ortsnamens vor 400 Jahren. Die Eröffnung des Festjahrs erfolgt am 19. April im und vor dem Restaurant "Jägerhof", das in diesem Jahr 75 Jahre alt wird. Weiter geht es am 22. April mit einer Erkundungsrallye per Rad und zu Fuß. Es folgt am 10. Juni ein historischer Bauernmarkt bei Schmidt-Nordmeier. Musikalisch geht es am 30. Juni in der Matthias-Claudius-Kirche zu. Altertümliche Wettkämpfe für Kinder und Jugendliche stehen im September am Waldsee auf dem Programm. Eine Erntedank- und Gemeindefest am 7. Oktober sowie ein Weihnachtsmarkt am 1. Dezember beschließen das Festjahr. Zusätzlich sollen spezielle Informations-Tafeln an historisch wichtigen Plätzen aufgestellt werden. Für die Organsiation der Festivitäten zeichnet ein Gremium verantwortlich, dem Ortsbürgermeister Andreas Hartfiel, sein Vertreter Hannes Milatz, Kirchenvorstandsvorsitzender Reinhard Brendel und die beiden Ortsratsmitglieder Horst Waldfried und Gabriele Spier angehören. Diese war es auch gewesen, die die kleine historische Sensation entdeckt hatte. Und zwar beim Recherchieren in den von Helmut Biermann verfassten unzähligen Schriften über Krähenwinkel. Der im Jahr 2003 im Alter von 90 Jahren verstorbene ehemalige Gemeindedirektor hatte der Stadt eine einmalige, 23 Aktenordner umfassende Chronik in Wort und Bild über Krähenwinkel hinterlassen, die das Stadtarchiv vor zehn Jahren in drei gebundenen Bänden mit insgesamt fast 1000 Seiten herausgab.
Wie beurteilt die Leiterin des Stadtarchivs die Vorgänge aus dem Jahr 1612? "Wenn ein Landesherr früher beschloss, eine Stadt zu bauen, dann gab es darüber, in Verbindung mit den Privilegien der Bürger, eine Urkunde, dessen Datum dann als Geburtstag dieses Anwesens galt", das betonte Heike Brück-Winkelmann in einem Gespräch mit dem Langenhagener ECHO. Entsprechende Beispiele dafür seien unter anderem Städte wie München, Freiburg im Breisgau, Karlsruhe, Bremerhaven oder auch St. Petersburg. Für Langenhagen stelle sich das ganz anders da. "Die Stadt feiert in diesem Jahr nicht ihren 700. Geburtstag", so die Archivarin, "sondern ihre erste in einer Urkunde bekannt gewordene Erwähnung. Sie datiert vom 15. Februar 1312 und ist also 700 Jahre alt." So ähnlich verhalte es sich auch mit Krähenwinkel. Im Jahr 1612, also vor 400 Jahren, verfasste Heinrich Clawe als Vogt ein Erbregister. Darin schrieb er auf, was zu seinem Amt gehört, welche Steuern, wann zu zahlen waren, und wer in den Dörfern wohnte. Gleich in seiner Vorbemerkung erwähnte er Krähenwinkel. Darin heißt es: Zu dem fürstlichen Vogthof gehören die Untergerichte der ganzen Vogtei, ausgenommen "16 Meyerleute im Kreyhenwinkel", deren Steuerzugehörigkeit er für 800 Goldgulden den Wernern zu Pattensen verschachert hatte. Das bedeutete, dass die Meier steuerlich nun nicht mehr zu Langenhagen gehörten. Wer die Werner waren, ist bis heute nicht erforscht. Aber die Namen der Meier, die Landwirtschaften in der Göße von 30 bis 35 Morgen betrieben, diese aber im Erbfall nicht teilen durften, sind heute noch bekannt: Jürgen Hasen, Lüdeke Engelcken, Heineke Hardecken, Diderich Bodestaff, Peter Hanebutt, Cort Bösenbergk, Hinrich Hanebutt, Curt Ehlers, Peter Eicken, Jobst Stucke, Hinrich Münkell, Lüder Münkell, Tile Bodestaff, Hans Elers, Jasper Bodestaff und Hans Krüger. Die Kötner, die mit ihren kleineren Betrieben steuerlich weiterhin zu Langenhagen zählten, waren Hinrich Rust, Aßmus Bremer, Arent Bister, Heineke Krüger, Hans Bösenbergk, Ambrosius Rust und Christof Schlüter. Die Hofstellen der alten Siedlungen lagen zunächst fast nur an der heutigen Walsroder Straße. "Wir haben mit diesem Erbregister zwar keine Gründungsurkunde", so Heike Brück-Winkelmann, "jedoch werden erstmals Menschen genannt, die im Kreyenwinkel wohnten. Politische Selbständigkeit und eigenverantwortliche Organisation des dörflichen Gemeinwesens waren damals gar nicht möglich." Das Fazit der Leiterin des Stadtarchivs: "Die erstmalige Erwähnung Krähenwinkels vor 400 Jahren kann man in diesem Jahr durchaus feiern."