Partnerschaft in Zeiten der Corona-Pandemie

Die Ankunft von Boikobo im Kirchenkreis.
 
Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige in Odi.

Kirchenkreise Burgwedel-Langenhagen und Odi helfen gemeinsam

Wedemark/Langenhagen. Boikobo hatte sich das alles ganz anders vorgestellt: Die junge Frau aus Odi in Südafrika kam Anfang März nach Isernhagen, um für ein Jahr in der evangelischen Kindertagesstätte St. Marien mitzuarbeiten. Karsten Henkmann, Pastor in St. Marien, und Yvonne Dorsch, Leiterin der evangelischen Kita in Isernhagen, holten sie vom Bahnhof ab – und natürlich wartete auch Boikobos Gastfamilie Fisher am Gleis. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand etwas von Kontaktsperre und Kitaschließung, die bald darauf folgen sollten. Boikobo nimmt teil am Programm „Seitenwechsel“ des Evangelisch-lutherischen Missionswerkes in Hermannsburg (ELM) und leistet einen Freiwilligendienst in der Kita St. Marien. Hintergrund für ihre Teilnahme an diesem internationalen Programm ist eine langjährige Partnerschaft: Seit vielen Jahren sind der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen und der Kirchenkreis Odi in Südafrika partnerschaftlich verbunden. „Die Grundlage unserer Partnerschaft ist die Verbundenheit im christlichen Glauben“, sagt Dörte Behn-Hartwig aus Brelingen, die als Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses im Kirchenkreis eine der treibenden Kräfte in der Partnerschaft ist. „Im Zentrum steht die Begegnung: Regelmäßige gegenseitige Besuche und ein Austauschprogramm für junge Menschen sind dafür von großer Bedeutung.“
Statt jedoch mit Kindern in der Kita St. Marien zu arbeiten und in einem Sprachkurs Deutsch zu lernen, verbrachte Boikobo die zurückliegenden Wochen in ihrer Gastfamilie – für alle Beteiligten eine ungewöhnliche Situation und eine Herausforderung, die mit viel Einfühlungsvermögen und Ideenreichtum auf Seiten der Kindertagesstätte und der Gastfamilie gemeistert wurde. Inzwischen kehrt nach und nach eine gewisse Normalität ein und Boikobo freut sich darüber, mit Kindern arbeiten zu dürfen. Dennoch: „Wie dieses tolle Austauschprogramm in Zukunft fortgeführt werden kann, ist ungewiss“, sagt Behn- Hartwig. Der Aufbau von Brücken zwischen den Kulturen, die Erziehung zum Antirassismus, die Anregung zum Hinterfragen eigener (Vor-)Urteile und die Begegnung auf Augenhöhe zwischen Nord und Süd seien damit gefährdet, bedauert sie, richtet den Blick aber dennoch auf die Zukunft.
Seit Wochen schon stellt sich Behn-Hartwig die Frage, wie sich die Corona-Pandemie langfristig auf die Partnerschaftsarbeit auswirken wird. „Angesichts der aktuellen Situation müssen unsere Ambitionen, junge Freiwillige aus dem Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen für ein Jahr nach Odi zu entsenden, auf
Eis gelegt werden“, stellt sie fest. Gäbe es keine Pandemie, wären in diesen Wochen auch 15 Gäste aus Odi im Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen zu Gast – ein Ereignis, auf das sich beide Partner seit langem gefreut hatten.
Mit zeitlicher Verzögerung gegenüber Deutschland wurde mittlerweile längst auch in Südafrika der Lockdown beschlossen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. „Dennoch gibt es in Südafrika gegenwärtig eine hohe Zahl von Neuinfizierten und die Lage scheint sich eher zu verschlechtern als zu entspannen“, berichtet Behn-Hartwig, die mit Dean (Superintendent) Molete in Südafrika per Brief und WhatsApp Kontakt hält. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in Südafrika sind immens: In einem Land mit ohnehin 35 Prozent Arbeitslosen und vielen Menschen, die als Tagelöhner ihr Geld verdienen, trifft die Krise insbesondere die wirtschaftlich Armen und, wie überall auf der Welt, vor allem Frauen und Kinder.
Aus ihrem christlichen Verständnis von Nächstenliebe heraus organisieren die Kirchengemeinden in Odi jetzt die Verteilung von Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern an Bedürftige, unabhängig von deren Religionszugehörigkeit. Die Gemeinden können jedoch aus eigener Kraft nicht all die Menschen erreichen, die dringend Hilfe benötigen. „Hier möchten wir unterstützen“, sagt Behn-Hartwig. „Partnerschaft bedeutet auch, in Zeiten der Not solidarisch zu sein und Verantwortung zu übernehmen. So rücken die Partner gerade in der Krise, in der direkte Begegnung nicht möglich ist, ein Stück enger zusammen. Und das ist für uns gar nicht so schwer: Mit 20 Euro kann in Odi der Grundbedarf von vier Personen für etwa zwei Wochen gedeckt werden.“
Behn-Hartwig ist dankbar dafür, dass in dieser besonderen Situation im Kirchenkreis Burgwedel- Langenhagen ein vereinfachtes Verfahren zur Spendensammlung zur Verfügung steht: Das Spenden ist damit auch online über die Webseite www.kirche-burgwedel-langenhagen.de möglich.
Für alle direkten Überweisungen steht das Konto des Kirchenkreises Burgwedel-Langenhagen, IBAN: DE83 5206 0410 0600 0060 76, mit dem Verwendungszweck „Odi“ zur Verfügung. Egal, welcher Weg gewählt wird: Spendenquittungen können bei Angabe von Namen und Anschrift ausgestellt werden.