Politiker besuchen die Gutzmannschule

CDU-Abgeordneter Bernward Schlossarek (von links), Schulleiterin Kathrin Walter-Schmidt, FW-Ratsherr Torsten Jung, Gabriela Kohlenberg (Mitglied des Landtages und Schulausschusses) und Christoph Loskant (Mitglied des Schulausschusses) beim Rundgang durch die Gutzmannschule.

Offene Ganztagsschule wäre erstrebenswert / Skepsis gegenüber geplanter Inklusion

Langenhagen (dt). Am vergangenen Montag hat der schulpolitische Sprecher der Gruppe CDU/Freie Wähler Region Hannover, Bernward Schlossarek, zusammen mit Mitgliedern des Arbeitskreises Schulen die Gutzmannschule, eine Förderschule mit Schwerpunkt Sprache, besucht. Die Abgeordneten wollten sich dabei über die Aufgaben der Schule informieren und in einem Gespräch mit Schulleiterin Kathrin Walter-Schmidt zukünftige Planungen besprechen.
Im Großen und Ganzen war Kathrin Walter-Schmidt mit der Situation ihrer Schule zufrieden. Zwar müsse der Boden im Verwaltungsbereich erneuert werden, so manch eine Wand würde einen neuen Anstrich benötigen, aber man sei mit dem bisherigen Budget der Region gut ausgekommen. Neue Möbel konnten angeschafft werden, flexible Trennwände in der Pausenhalle ermöglichen neue Raumaufteilungen und bis zum Ende der Sommerferien würde auch die Haustechnik erneuert sein. 460.000 Euro seien dafür von der Region bereitgestellt worden. 310 Schüler von der dritten bis zur zehnten Klasse besuchen die Förderschule, einige der Räumlichkeiten teile man sich mit der benachbarten Pestalozzischule, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt lernen. Da die Zukunft letzterer im Rahmen der geplanten Inklusion ungewiss ist, könnten sich bei den Räumlichkeiten auch Veränderungen für die Gutzmannschule ergeben. Zurzeit werden in Deutschland 83 Prozent der Schüler und Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in speziellen Förderschulen unterrichtet. Inklusion bedeutet für das deutsche Bildungssystem, dass es Förderschulen in der Art, wie es zum Beispiel die Pestalozzischule ist, in Zukunft nicht mehr geben soll. „Förderschulen für den Bereich Sprache bleiben jedoch bestehen“, so Schlossarek. Darüber sei er sehr glücklich, denn ebenso wie seine Kollegen aus dem Schulausschuss wie auch Schulleiterin Walter-Schmidt sehe er der geplanten Inklusion mit Bauchschmerzen entgegen. „Die jetzigen Grundschullehrer können gar nicht auf das vorbereitet werden, was im Rahmen der Inklusion auf sie zukommt“, so Walter-Schmidt, die nicht nachvollziehen konnte, wie ein paar Fortbildungskurse ein ganzes Studium der Sonderpädagogik ersetzen können sollen. Man müsse passgenaue Lösungen für jedes Kind finden, so Schlossarek. Förderung könne nur in Kleinsteinheiten funktionieren, da seien zwei Stunden Förderung pro Woche an einer regulären Grundschule nicht ausreichend. „Eine Schule für alle ist schön, aber es nutzt niemandem, wenn ein Kind abgesondert wird und letztlich nicht für den Arbeitsmarkt fähig ist.“ So sei es erschreckend, wenn nur die Ideologie und nicht das Kind im Mittelpunkt bildungspolitischer Entscheidungen stehen würde.
Wie es hervorragend funktionieren kann, beweist die Gutzmannschule. Ohne Schulabschluss würde „alle paar Jahre mal ein Kind“ die Schule verlassen, die meisten würden am Ende den Realschulabschluss, einige sogar den erweiterten Realschulabschluss, der den Übergang auf das Gymnasium ermöglicht, erreichen. Praxistage, Kontakte zu Wirtschaft und Praktika würden zudem dafür sorgen, dass die Schüler leicht einen Ausbildungsplatz finden würden. „An einer Regelschule wären viele unserer Schüler im wahrsten Sinne verstummt, hier dagegen blühen sie auf“, berichtete Walter-Schmidt.
Ein paar Änderungen für die Zukunft wünschte sich die Schulleiterin trotzdem noch. „Wir hätten gerne eine Ganztagsschule mit Mensa und der Möglichkeit, nachmittags ein Therapieprogramm anbieten zu können.“ Zudem sei die Gutzmannschule keine „verlässliche Schule“, was bedeutet, viele Schüler und Schülerinnen hätten bereits um 11.30 Uhr Schulschluss. Zweimal habe sie bereits einen entsprechenden Antrag gestellt, beide Mal sei dieser abgelehnt worden. Ebenso sei es ihr unverständlich, weshalb der Gutzmannschule kein Sozialpädagoge gestellt werden könne.
„Als allererstes brauchen wir jetzt aber zunächst einmal ausreichend Fachräume, da lohnt es sich für uns noch nicht, so weit in die Zukunft weiterzudenken.“