Privatarchiv der Stadt übergeben

Ernst Müller übergibt sein Privatarchiv an Heike Brück-Winkelmann. Foto: K.Raap

Als Freund von Mechthild Bach sammelte Ernst Müller viele Informationen

Langenhagen (kr). Sein privates Archiv über die Langenhagener Internistin Mechthild Bach hat Musikdirektor Ernst Müller genau ein Jahr nach deren Tod der Leiterin des Stadtarchivs Heike Brück-Winkelmann übergeben. Die Sammlung Müllers enthält viele Beiträge überregionaler Zeitungen, die es im örtlichen Archiv noch nicht gab, außerdem Briefe aus seiner privaten Korrespondenz. Darüber hinaus überreichte Ernst Müller eine Eigenkomposition, der er der Ärztin noch zu deren Lebenszeiten gewidmet hatte. Das Werk "Lebensfreude-Schicksalsmelodie in B-Dur", soll am 1. April uraufgeführt werden. Ernst Müller war seit 1995 bis zum Tode Bachs in deren Behandlung. "Ich hatte von Anfang an großes Vertrauen", so der Musikdirektor, "sie hat unendlich viel für mich getan, und ich überstand mit ihrer Hilfe einige lebendsbedrohliche Situationen." Das sei ein Grund gewesen, so Müller, "dass es zu einem sehr freundschaftlichen Verhältnis zwischen mir und meiner Frau Marlies sowie Mechthild Bach und ihrem 2010 verstorbenen Lebensgefährten Carl Holzapfel gekommen war". Ein weiterer Grund war die gemeinsame Liebe zur Musik. Nach mehreren gemeinsamen Opern- und Konzertbesuchen ging es noch im Januar vergangenen Jahres zum Neujahrskonzert nach Hannover. Mechthild Bach versäumte kaum einen musikalischen Auftritt Ernst Müllers und regte ihn auch zum Benefizkonzert für das Hospiz Luise an. Aus der Lieblingssinfonie der Internistin, Antonin Dvoraks Komposition "Aus der neuen Welt", wählte Müller dann auch das berühmte Englischhorn-Solo aus dem zweiten Satz für den Trauergottesdienst aus. "Frau Bach hat mich übrigens überzeugt", erinnert sich Ernst Müller, "noch möglichst lange Musik zu machen, das sei ein wichtiger Bestandteil meiner Lebensqualität."
Mechthild Bach, die eine Praxis in der Walsroder Straße und Belegbetten in der Paracelsusklinik am Silbersee führte, hatte sich 24. Januar 2011 das Leben genommen. Ihrem Suizid vorausgegangen war ein achtjähriges Gerichtsverfahren, in dem sie beschuldigt wurde, 13 Menschen mit Überdosen an Schmerzmitteln getötet zu haben. Für Ernst Müller sowie viele Freunde und Sympathisanten war der Grund für den Selbstmord der beispiellose Druck durch den Prozess gewesen. Für die Internistin war am Ende die Hoffnung auf Freiheit allerdings nicht mehr allzu groß gewesen. Die Dauer dieses Falls und auch die von zahlreichen Entschädigungsprozessen haben der deutschen Justiz viel Kritik, auch die vom Europäischen Gerichtshof eingebracht. Der Missstand unsäglich langer Verfahren soll nun durch neue Gesetzgebungen endlich behoben werden.