Qualität der Ganztags-Grundschule im Blick

Annette v. Stieglitz moderierte das Stadtgespräch im Ratssaal.Foto: G. Gosewisch

Langenhagener Stadtgespräch zeigt Umsetzungsbeispiele auf

Langenhagen (gg). Die Umwandlung der Grundschulen in Ganztagsschulen ist eine dringliche Aufgabe, die auf Druck der Elternschaft für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie entsteht. Petra Martinsen, Fachbereichsleiterin Schulen in Hannover, bestätigt das bei ihrem Vortrag im Rahmen des Langenhagener Stadtgesprächs zum Thema „Zeit für mehr – ganztätig lernen“, eine Veranstaltung der VHS im Ratssaal. „Es ist weniger die Politik die treibende Kraft für die Umwandlung der Grundschulen, sondern es sind die Eltern, die sich an die Schulleitungen wenden, und diese wiederum wenden sich an die Verwaltung“, so ihre Erklärung. Bereits 17 Grundschulen sind in den vergangenen Jahren in der Landeshauptstadt umgewandelt worden, weitere acht werden folgen. Martinsen berichtete detailliert über die Modelle und Erfahrungen daraus. „Den jeweiligen Schulleitern obliegt die Realisation, die Schulverwaltung begleitet den Prozess, setzt zusätzlich Schulbildungskoordinatoren ein, um individuelle Bedürfnisse zur erheben und Konzepte zu erarbeiten“, so Martinsen. Wichtig dabei: Die Qualität des Nachmittagsangebots müsse gewährleistet werden. Eine entsprechende Zertifizierung werde angestrebt. Anders als in der Betreuung im Hort mit festen Gruppen wählen die Grundschüler frei unter Bildungsangeboten am Nachmittag. „Musik- und Sport-Angebote sind sehr beliebt. Erstklässler sind mit der freien Auswahl überfordert, für sie muss ein angepasstes Angebot erstellt werden“, sagt Martinsen. Wie sich Vereine mit Sportangeboten in das Nachmittagskonzept einbringen können, berichtete Karsten Täger vom Niedersächsischen Landessportbund. Er ist Teamleiter Jugend und weiß um die Probleme der Sportvereine bei der Jugendarbeit. Bei der Ausdehnung der Schulzeiten in den Nachmittag lösten sich die klassischen Nachmittags-Vereinsangebote für die Jugend auf. Ein Ausweichen auf den Abendbereich sei kaum möglich, da Hallenzeiten und Platzbelegungen für den Erwachsenen-Sport gebraucht würden. Dass ein Sportverein sich als Kooperationspartner für eine Grundschule konstituieren kann und die Jugendsportförderung dadurch neue Chancen bekommt, zeige das Beispiel des Turnclubs Hannover. Mit 1,5 Millionen Euro pro Jahr finanziert die Stadt Hannover das Nachmittagsangebot in den Schulen. Das werde aus einem „filigranen Zusammenspiel“ von Schulverwaltung, Schulleitung, Elternschaft und Kooperationspartnern aufgebaut, so die Einschätzung von Annette v. Stieglitz, Leiterin der Langenhagener Volkshochschule, die das Stadtgespräch moderierte. „Die Umwandlung einer Grundschule in eine Ganztagsschule ist ein organisatorisch extrem schwieriger Prozess und kann nur gelingen, wenn Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen. Profilierungsfelder machen keinen Sinn“, so ihre Zusammenfassung.