Quer gedacht von Klaus-Dieter Tischler

Gelang es gesteckte Ziele umzusetzen?

Manche von uns kennen das. Ein wichtiger Lebensabschnitt schließt ab, es geht etwas zu Ende, eine Phase des Lebens findet ihren Abschluss. Etwas Neues und Verändertes findet seinen Anfang. Ein Grund auf das Vergangene zurückzuschauen, die Jahre vom Anfang bis zum Ende zu betrachten. Nach achtunddreizig Priesterjahren gehe ich im November in den Ruhestand; davon war ich 20 Jahre Pfarrer in Langenhagen. Auch ich möchte zurück-schauen und fragen:“ Wie war das 1981? Mit welchen Vorsätzen und Zielen habe ich begonnen? Was wollte ich weitergeben und bewirken? Was ließ sich umsetzen und was blieb auf der Strecke?“ Ich erinnere mich an den Schrifttext aus dem Matthäusevangelium (23,8-12) auf meinem Primizbild: „Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel. Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus. Der Größte von Euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Verschiedenes wollte ich mit Freude und Elan angehen. Einen geschwisterlichen Umgang in einer dienenden Gemeinde. Die Freude, die Kraft und die Stärke, die der Glaube in der Lebensbewältigung vermitteln kann, weitergeben und dabei den Herrn immer wieder in die Mitte rücken. Nicht den „Aufpasser Gott“, der Druck und Angst verbreitet und uns strafend im Weltgericht erwartet, sondern einen liebenden und barmherzigen Gott, der uns Mut macht, uns voll Verantwortung in unseren Alltag einzubringen. Ich wollte in Gespräch und Begleitung für die Menschen da sein in ihren Problemen und Ängsten, und mit ihnen den Glauben leben. Meine persönliche Situation, meine körperlichen Eingeschränktheiten und andere Unvollkommenheiten (z.B. Verwaltung und Unordnung) machten deutlich, Gott sucht sich sein Werkzeug.
Das Priesterbild hat sich in den vergangenen Jahrzehnten fundamental geändert, leider besteht durch die gegebenen Strukturen die Gefahr, immer mehr vom Seelsorger zum Manager zu werden. Vieles Notwendige habe ich vielleicht nicht umsetzen können, aber ich bin dankbar für die Bereiche und Situationen, wo ich begleiten, helfen und stützen durfte, oft wieder durch die Hilfe und Unterstützung anderer.
Klaus-Dieter Tischler, Pfarrer
der Kath. Liebfrauengemeinde Langenhagen