Quergedacht

Anleitung zur Vorbereitung auf schwere Zeiten

Vermutlich haben sie es bereits in ihrem Leben erfahren müssen oder aber sie haben so eine unschöne Ahnung: Im Leben gibt es schwere Tage, schwere Wochen, schwere Jahre. Zeiten, die Lebenskraft und Lebensfreude rauben. Herzzerreißende Zeiten, nach denen nichts mehr ist, wie es war. Wie gehen Sie mit einer solchen bereits gemachten Erfahrung um? Wie mit ihrer Ahnung, dass solche Zeiten auf sie zukommen werden? Können wir solche schmerzhaften Zeiten im Nachhinein verarbeiten? Können wir uns darauf vorbereiten?
Angestoßen wurden diese Fragen bei mir durch die Hospizarbeit und durch die Gespräche mit Menschen, die geliebte, schwerkranke Angehörige pflegen und im Sterben begleiten.
Auch, wenn es auf den ersten Blick nichts damit zu tun hat, folgenden Satz – folgende Formel könnten wir sagen – ist eine Anleitung für schwere Zeiten. Jeder einzelne Bestandteil ist an sich schon gut, wertvoll und kraftgebend. Alle drei zusammengenommen, zusammengelebt ergeben jedoch ein Vielfaches der einzelnen Teile, ergeben eine nicht versiegende Quelle an Kraft und Geborgenheit.
Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Ausführlicher nachzulesen im Markusevangelium 12,29-31. Kein Doppelgebot der Liebe, sondern ein dreifaches. Gott lieben. Sich selbst lieben. Den Nächsten lieben. Die Kurzversion meiner Gedanken: Ich kann mich selbst lieben, selbst als wertvoll betrachten, weil Gott mir sagt, dass ich einzigartig, dass ich wertvoll bin in seinen Augen. Gott hat dich geschaffen und sagt: Du bist sehr gut. Gottes Aussage gilt selbst, wenn du dich nicht leiden kannst. Egal ob Du gesund, krank, behindert, dumm, intelligent, arm oder reich, etc. bist. Gott liebt dich bedingungslos so wie du bist.
Dass du dich selbst magst, dich selbst für wertvoll erachtest ist nach Jesu Worten grundlegend, wenn du für andere da sein willst. Denn er sagt ja, dass du den nächsten Menschen nur so viel lieben sollst, wie du dich selbst liebst. Wer über seine Grenze hinaus für andere Menschen da ist, macht sich am Ende kaputt. Für schwere Zeiten, ganz besonders für Zeiten, in denen ein lieber Mensch in deinem Leben stirbt oder im Sterben liegt, ist Gottes Liebe ebenfalls von größter Bedeutung. Klagen, fragen, wütend sein auf Gott, gehört zu solchen schweren Zeiten. Am Ende bleibt aber, dass Gott stärker ist als der Tod. In dieser Hoffnung können wir Frieden finden, selbst im Angesicht des Todes. Ich kann sagen: Ich weiß nicht warum und weshalb das geschehen musste, aber ich weiß, dass er (oder sie) nicht verloren, sondern in Gottes Hand geborgen ist.
Bitte geben sie, bitte gib du Jesu dreifachem Gebot der Liebe eine Chance. Nicht zweifeln, sondern ausprobieren.

Marc Gommlich, Pastor