Quergedacht

Zeit schenken

Wo steht mir nur wieder der Kopf? Manchmal weiß ich es wirklich nicht mehr und frage mich, wie ich alles schaffen soll. In meinem Alltag überwiegt zuweilen der Stress. Bestimmt kennen Sie das auch: Kinder, Arbeit, Kochen, Freizeit, Haushalt…so viel Zeit wie ich bräuchte, habe ich einfach nicht. Und genau deshalb, haben wir angefangen, Zeit zu verschenken. Wie passt das zusammen? Etwas verschenken, von dem man eh schon zu wenig hat. Aber genau darum geht es. Es geht um Zeit miteinander, um Zeit mit Menschen die uns wichtig sind, Zeit, die meinen Energietank wieder auffüllt. Die Zeit, die wir haben, wollen wir nicht mit Stress und einer Aneinanderreihung von Terminen füllen. Wir wollen die Zeit füllen mit Gemeinschaft, mit Freude, mit Gesprächen und mit Lachen. Freunde haben uns zu unserem Hochzeitstag beispielsweise einen gemeinsamen Ausflug geschenkt. Sie haben alles geplant, eingekauft, vorbereitet. Wir brauchten nur noch anzureisen und haben einen kleinen Urlaubstag am Steinhuder Meer verlebt. Das war Zeit, die wir ohne Stress verbringen konnten, Zeit, in der wir uns erholt haben und Zeit, die wir gemeinsam genossen haben.
Dass unsere gemeinsame Zeit begrenzt ist, merken wir leider oft erst zu spät. Das Sprichwort „Morgen ist auch noch ein Tag“ stimmt leider nicht immer. Umso wichtiger ist es mir geworden, Zeit auch zu genießen. Das allerdings in den Alltag einzubauen ist wirklich schwer. Darum nun verschenkte Zeit. Wir nehmen uns bewusst Zeit. Wir versuchen die Zeit wieder wertvoll zu füllen. Und versuchen das auch an unsere Mitmenschen weiter zu geben. Unserer Tochter haben wir zum Geburtstag nicht noch ein und noch ein Spielzeug geschenkt, sondern Zeit. Und zwar Zeit mit und auf einem Pferd. Das hat sie sich schon sehr lange gewünscht und war überglücklich. Ein Geschenk, dass sie nun bis zum Sommer jede Woche wieder genießen kann.

Beate Granobs, Diakonin