Quergedacht

Geburtstag

Wer einmal bei der Geburt eines Kindes dabei war, weiß, dass das ein dramatischer Vorgang ist. Wer sogar selbst ein Kind zur Welt gebracht hat, weiß auch, dass das nie ohne Schmerzen passiert. Bei einer Geburt drängen zudem die unterschiedlichsten Gefühle nach oben. Nicht zuletzt die Angst davor, dass Kind oder Mutter zu Schaden kommen können.
Wenn aber das Kind geboren ist, dann dauert es nicht lange, und alles das ist wie weggeblasen. Dann ist da nur noch die Freude über ein Wunder. Ein kleiner Mensch, der lebt, atmet und sofort seine Bedürfnisse deutlich macht: Essen, Trinken, Nähe, Liebe. Eltern finden sehr schnell heraus, wie sie ihr Kind zufrieden stellen können. Und sie lernen mit der Zeit auch, wie sie mit der neuen Familienaufstellung zurechtkommen. Das allerdings ist ein sehr langer Prozess. Vermutlich lebenslang. Denn aus Kindern werden Leute, die Bedürfnisse ändern sich und irgendwann verschiebt sich schließlich sogar das Gefälle, wer wen unterstützt. Ich spüre das im Moment deutlich am eigenen Leib, denn in einigen Bereichen bin ich inzwischen völlig auf die Hilfe unserer Töchter angewiesen. Vor allem, wenn es um Smartphones und Computer geht.
Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche, so sagt man. Die Geburt fand vor rund 2000 Jahren in Jerusalem statt. Auch dort wird von dramatischen Ereignissen erzählt. Der Geistwind braust, die Menschen sind wie berauscht und die, die dabei stehen und das ganze beobachten, sind fassungslos. Aber selbst Fremde verstehen sich plötzlich und können sich verständigen und sind erfüllt von einer göttlichen Kraft. Und so herrscht auch da am Ende vor allem die Freude über das Ereignis.
Die Kirche ist inzwischen in die Jahre gekommen. In 2000 Jahren Kirchengeschichte gab es nicht nur Glanzpunkte, sondern auch manche Schatten. Dennoch ist der Geburtstag ein Tag, an dem gefeiert wird. Denn es ist gut, dass es die Kirche gibt. Sie ist nach wie vor ein Ort, an dem Menschen Kraft, Orientierung und Freude finden können. Die Geburtstagsfeier steigt übrigens in allen Kirchen der Gegend – an Pfingsten im Gottesdienst.

Torsten Kröncke, Pastor