Quergedacht

Marc Gommlich, Pastor

Ende in Sicht?

Vergangenen Mittwoch bin ich mit dem Auto unterwegs in Engelbostel. Auf dem Heimweg nach einer Beerdigung. Die Sonne brennt mit über 30°. Jetzt nur noch schnell einkaufen und dann gemeinsam mit der Familie grillen. Für einen Augenblick die Seele baumeln lassen. Doch es sollte ganz anders kommen. Plötzlich schert ein Wagen auf der Gegenfahrbahn aus und gerät dadurch auf meine Seite. Er hatte nicht gesehen, dass das Auto vor ihm links abbiegen wollte. Um einen Auffahrunfall zu verhindern wich er auf die Gegenfahrbahn aus. Ich reiße noch das Lenkrad rum, um einen Frontalaufprall zu verhindern. Trotzdem erwischt er mein Auto am hinteren, linken Rad.
Ich denke gleich an einen Referenten, der bei uns in der Elia Kirchengemeinde vier Bibelabende gestaltet hat. In Bremen ist er mit einem Team auf die Straße gegangen und hat die Menschen zu folgender Frage interviewt: „Wenn sie heute Abend sterben, wissen sie, wo sie dann hingehen?“. Dieser Unfall hat mich daran erinnert, dass das Leben auf einmal zu Ende sein kann. Und ich hatte nichts falsch gemacht. Ich konnte nichts dafür und konnte es nicht wirklich verhindern. Ein Pastorenkollege sagt immer wieder gerne: „Du kannst alles richtig machen. du kannst dich gut und gesund ernähren. Du kannst vorsichtig sein. Keinen Alkohol trinken. Keine Drogen nehmen. Nicht rauchen. Und trotzdem kannst Du an einem wunderschönen Morgen über die Straße gehen und von einem Betonmischer überfahren werden.“ Mein Leben, ihr Leben kann heute Abend zu Ende sein. Ist ihnen das bewusst?
„Wenn sie heute Abend sterben, wissen sie, wo sie dann hingehen?“ Interessiert sie diese Frage überhaupt? Interessiert sie eine Antwort auf diese Frage überhaupt? Gibt es überhaupt eine Antwort? Ja, die gibt es. Jesus sagt in der Bibel im Johannes Evangelium in Kapitel 11, Vers 25: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Mit anderen Worten: Ich weiß wohin ich nach meinem Tod gehe, wenn ich an Jesus glaube. Und das war auch meine Antwort, die ich für mich noch einmal laut dachte: „Wenn ich heute sterben würde, würde ich durch meinen Glauben an Jesus und durch meine Taufe in Gottes Händen geborgen sein. Im sogenannten Paradies. Paradies heißt es deswegen, weil es dort nichts mehr gibt, was mich belastet, mir Kummer, Sorgen und Angst bereitet. Keinen Tod. Keine Krankheiten. Keine Tränen. So lautet das Versprechen Gottes in der Bibel. Selbstverständlich kann ich das bezweifeln. Selbstverständlich kann ein Oberster der Grünen lauthals verkündigen: „Ich glaube nicht an Gott.“. Aber dann hat er eben auch null Ahnung, wohin er nach seinem Tod geht. Ich vertraue lieber auf das Versprechen Gottes als auf menschliche Gedanken. Und sie? Mir jedenfalls gibt es tiefe Ruhe und inneren Frieden, egal was heute noch kommen und passieren mag.
Anleitung zur Vorbereitung auf schwere Zeiten
Vermutlich haben sie es bereits in ihrem Leben erfahren müssen oder aber sie haben so eine unschöne Ahnung: Im Leben gibt es schwere Tage, schwere Wochen, schwere Jahre. Zeiten, die Lebenskraft und Lebensfreude rauben. Herzzerreißende Zeiten, nach denen nichts mehr ist, wie es war. Wie gehen Sie mit einer solchen bereits gemachten Erfahrung um? Wie mit ihrer Ahnung, dass solche Zeiten auf sie zukommen werden? Können wir solche schmerzhaften Zeiten im Nachhinein verarbeiten? Können wir uns darauf vorbereiten?
Angestoßen wurden diese Fragen bei mir durch die Hospizarbeit und durch die Gespräche mit Menschen, die geliebte, schwerkranke Angehörige pflegen und im Sterben begleiten.
Auch, wenn es auf den ersten Blick nichts damit zu tun hat, folgenden Satz – folgende Formel könnten wir sagen – ist eine Anleitung für schwere Zeiten. Jeder einzelne Bestandteil ist an sich schon gut, wertvoll und kraftgebend. Alle drei zusammengenommen, zusammengelebt ergeben jedoch ein Vielfaches der einzelnen Teile, ergeben eine nicht versiegende Quelle an Kraft und Geborgenheit.
Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Ausführlicher nachzulesen im Markusevangelium 12,29-31. Kein Doppelgebot der Liebe, sondern ein dreifaches. Gott lieben. Sich selbst lieben. Den Nächsten lieben. Die Kurzversion meiner Gedanken: Ich kann mich selbst lieben, selbst als wertvoll betrachten, weil Gott mir sagt, dass ich einzigartig, dass ich wertvoll bin in seinen Augen. Gott hat dich geschaffen und sagt: Du bist sehr gut. Gottes Aussage gilt selbst, wenn du dich nicht leiden kannst. Egal ob Du gesund, krank, behindert, dumm, intelligent, arm oder reich, etc. bist. Gott liebt dich bedingungslos so wie du bist.
Dass du dich selbst magst, dich selbst für wertvoll erachtest ist nach Jesu Worten grundlegend, wenn du für andere da sein willst. Denn er sagt ja, dass du den nächsten Menschen nur so viel lieben sollst, wie du dich selbst liebst. Wer über seine Grenze hinaus für andere Menschen da ist, macht sich am Ende kaputt. Für schwere Zeiten, ganz besonders für Zeiten, in denen ein lieber Mensch in deinem Leben stirbt oder im Sterben liegt, ist Gottes Liebe ebenfalls von größter Bedeutung. Klagen, fragen, wütend sein auf Gott, gehört zu solchen schweren Zeiten. Am Ende bleibt aber, dass Gott stärker ist als der Tod. In dieser Hoffnung können wir Frieden finden, selbst im Angesicht des Todes. Ich kann sagen: Ich weiß nicht warum und weshalb das geschehen musste, aber ich weiß, dass er (oder sie) nicht verloren, sondern in Gottes Hand geborgen ist.
Bitte geben sie, bitte gib du Jesu dreifachem Gebot der Liebe eine Chance. Nicht zweifeln, sondern ausprobieren.