Quergedacht

Nicht vom Brot allein

Erntedank wird in diesen Tagen gefeiert. In den Kirchen liegen auf dem Altar neben der Bibel Brot, Früchte und andere Erntegaben. Auch auf unserem Altar lag ein Laib Brot neben der Bibel. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein,“ sagt Jesus, „sondern auch von Gottes Wort.“ Die Kinder der Kinderkirche zeigten uns, was das heißt. Sie spielten die Geschichte von Frederick, der Maus.
Frederick macht es anders als die anderen Feldmäuse, die Körner, Nüsse, Weizen und Stroh als Vorräte für den Winter sammeln. Er aber sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter für die grauen Tage. Als im Winter fast keine Essensvorräte mehr da sind, teilt Frederick seine Vorräte mit ihnen. Er erinnert sie an die Wärme der Sonnenstrahlen, an die Buntheit der Blumen und an die Wörter, aus denen Geschichten wachsen. Am Schluss fragt er: Wer hat die Sonne denn gemacht, die Blumen nah und fern, wer schuf die Tiere, groß und klein, wer gab auch mir das Leben? Und antwortet: Das tat der liebe Gott allein, drum will ich Dank ihm geben.
Frederick weiß, dass er und seine Freunde nicht nur das Essen, das sie gesammelt haben, zum Leben brauchen sondern genauso auch die Sonnenstrahlen, die Farben, die Wörter und den Dank. In seiner kleinen Rede dankt er Gott, der das Wunder des Lebens hervorgebracht hat.
Auch wir Menschen brauchen nicht nur Lebensmittel zum Leben, sondern auch andere wichtige Dinge wie Freude, Glück, Gesundheit, Zeit für Freunde und Familie, Trost, Rat, das Gefühl, behütet zu sein, und vieles mehr. So wie Frederick in der Geschichte von Leo Lionni, können auch wir Gott danken, aus dessen Hand wir all das haben. Und wir dürfen auf seine Sorge für uns vertrauen. So können wir getrost, ebenfalls wie Frederick, andere an allen Dingen, die wir zum Leben brauchen und die uns glücklich machen, teilhaben lassen. Wir können ihnen sogar davon abgeben. Danken und teilen - Erntedank.

Frank Foerster, Pastor